Anpassungsschnäppchen « Klima der Gerechtigkeit

Anpassungsschnäppchen

7. September 2008, von

Die Niederlande müssen nach dem aktuellen Bericht einer von der Regierung eingesetzten Expertenkommission bis zum Endes des Jahrhunderts mehr als 100 Milliarden Euro für den Ausbau ihrer Deiche ausgeben. Hinzukommen zwischen einer und anderthalb Milliarden Euro pro Jahr für die Verbesserung von Dämmen. Das sind etwa 0,3 Prozent des jährlichen Staatseinkommens. Weitere 100 bis 300 Millionen Euro im Jahr müssen investiert werden, um die Nordseestrände mit Sand aufzuschütten. All diese Maßnahmen dienen dem Schutz vor dem erwarteten Meeresspiegelanstieg, der inzwischen auf bis zu 1,3 Meter bis 2100 und bis zu 4 Meter im Jahr 2200 geschätzt wird. Dabei muss man wissen, dass etwa zwei Drittel des Landes unterhalb des jetzigen Meeresspiegelniveaus liegen!

Diese Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: 0,3 Prozent des Staatseinkommens für die Rettung des Landes – das ist geradezu spottbillig. Dass es sich tatsächlich um ein unvergleichliches Schnäppchen handelt, bei dem man ohne großes Überlegen sofort zugreifen sollte, wird deutlich, wenn man die Zahlen mit dem vergleicht, was Oxfam an Finanzbedarf für Anpassungsmaßnahmen in allen Entwicklungsländern gemeinsam berechnet hat, nämlich nur schlappe 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr! Da wird klar sichtbar, dass reiche Länder wie die Niederlande auch nach Finanzierung ihrer eigenen Anpassungsmaßnahmen noch genügend Kleingeld übrig haben werden, um ihre emissionsbedingten Schulden im Süden zu tilgen. Zugleich könnten sie ihre durch die Arbeit von Expertenkommissionen gewonnenen Erfahrungen weitergeben und gezielte Kooperationen mit solchen Entwicklungsländern eingehen, die ähnliche Herausforderungen zu bewältigen haben wie sie.

Fotos (flickr): Holland - Jeroen Krah, Bangladesch - Micha:el Foley Photography

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1 Kommentar

  1. Für Deutschland ist diese Woche der Abschlussbericht des Umweltbundesamtes zu Klimaszenarien in Deutschland herausgekommen. In der Zusammenfassung des Berichtes wird u.a. auf die steigenden Temperaturen in Deutschland und auf die daraus resultierenden regional erhöhten Niederschlagsmengen bzw. längere Dürreperioden hingewiesen:

    Je nach angenommenem Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen könnten bis zum Ende des Jahrhunderts die Temperaturen in Deutschland — vor allem im Süden und Südosten — um mehr als 4 °C im Vergleich zu den letzten 50 Jahren steigen. Im Sommer kann es in weiten Teilen Deutschlands weniger Niederschläge geben. Im Winter könnten im Süden und Südosten mehr Niederschläge fallen, wobei allerdings wegen der gestiegenen Temperaturen weniger Schnee fallen kann. (S. 62 des Abschlussberichtes)

    In dem Bericht wird nicht auf die Kosten dieser Veränderungen eingegangen, diese dürften allerdings entsprechend hoch liegen, da – ähnlich wie in den Niederlanden – weite Teile Deutschlands von den vielfältigen Folgen des Klimawandels betroffen sein werden.

    Wohl kaum abzusehen sind die Kosten, die in Entwicklungsländern und Krisenregionen durch ressourcen- und umweltbedingte Konflikte entstehen werden. Dass sich allerdings auch in Sachen Kooperation mit Entwicklungsländern positive Änderungen ergeben, zeigt bspw. das Engagement Bangladeshs zur mittel- und langfristigen Reaktion auf Klimaveränderungen.

    Auf RESET haben wir versucht, uns einer der Folgen des Klimawandels in einem Wissensartikel anzunähern: Klimaflüchtlinge beschreibt den Problemkomplex, der auf Menschen zukommt, die aus ihrer Heimat fliehen müssen, weil Umweltgefahren und Klimawandel ihren Lebensraum bedrohen oder gar unbewohnbar machen. Mit den Links “Klimawandel zum Anklicken” wurden gelungene graphische Darstellungen gesammelt.

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Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

Resource Politics for a Fair Future

Fleischatlas 2014

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  • M.E.: http://www.spiegel.de/wissensc haft/natur/un-klimakonferenz-w as-bedeutet-peru-fuer-paris-20 15-a-1008410.html
  • M.E.: Interessant ist es ja schon, dass die Emissionsmengenanstiege sich insbesondere seit der Zeit drastisch...
  • Jörg Haas: Grüße zurück nach Lima – alles Gute dort!
  • Lili Fuhr: Lieber Jörg, ich stimme Dir zu, dass CCS quantitativ und realistisch nur ein kleines Schlupfloch ist. Aber...
  • Jörg Haas: Hallo Lili, gut dass Du auf die Fallstricke hinweist. Doch ist der Text letztlich trotzdem ein großer...

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