Green Development Deal « Klima der Gerechtigkeit

Green Development Deal

23. Juni 2009,

400 Milliarden! 400 Milliarden wollen Unternehmen in die Wüste Nordafrikas investieren, um Europa mit erneuerbarem Strom zu versorgen. Da müssen Politiker und Medien monatelang über Konjunkturpakete von geringeren Summen debattieren, und die Privatwirtschaft kann, wenn sie will, das mit einer bloßen Presseeklärung ankündigen.

Doch solche Investitionen braucht es. Eine solare Vollversorgung der Länder der EU binnen weniger Jahrzehnte wird nur erreichbar sein, wenn ein Teil der Energie aus den sonnenreichen Regionen beispielsweise des südlichen Mittelmeers importiert wird. Endlich gibt es eine Initiative, die große Summen Kapital für klimafreundliche Investitionen locker macht – und das, ohne die Steuerzahlerinnnen zu belasten.

Die Investitionen sollen nicht nur erneuerbaren Strom nach Europa bringen, sondern auch Armutsreduzierung und eine zukunftsfähige Entwicklung nach Nordafrika. Doch es reicht nicht, dies nur zu betonen.

Eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Länder Nordafrikas kann nicht gelingen, wenn die Länder Nordafrikas bloß Exporteure von Solarstrom aus solarthermischen Großkraftwerken werden, die womöglich noch von europäischen Unternehmen betrieben werden.

Das Konsortium der Investoren hat die Chancen des Vorhabens für Klimaschutz und Energiesicherheit bereits gut dargestellt. Die entwicklungsperspektive aber kommt zu kurz. “Alleine die Baustelle eines 250 MW Parabollrinnenkraftwerks beschäftigt rund 1.000 Arbeiter und Ingenieure für einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren.” Und danach? Wenn das Vorhaben den Ländern eine nachhaltige Entwicklung bringen soll, dann müssen sie besser früher als später Produktion und Service bei jedem Glied der Wertschöpfungskette selbst in die Hand nehmen.

Dafür müsste die Initiative durch konkrete klima- und entwicklungsfreundliche Handels- und Investitionsregeln flankiertwerden, die das sicher stellen. Die Initiative wird dann nicht nur Stromimporte und -exporte regeln, sondern auch einen Transfer von Know-how über erneuerbare Technologien umfassen. Ferner wird sie festschreiben, dass beim Bau der Kraftwerke, ihrem Betrieb und ihrer Wartung, und auch bei der Vermarktung des Stroms die Wertschöpfung vor Ort optimiert wird. Im Anfangsstadium sollte sie auch Hilfe für die Ausbildung von Technikern und Facharbeitern, für Universitäten und Forschungseinrichtungen umfassen.

Das erst wäre ein “Green New Deal”, der nicht nur Jobs und saubere Energie für uns bringt, sondern auch Technologietransfer und Wohlstand in den Süden.

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3 Kommentare

  1. Es klingt toll. Ja! Doch wir müssen dieses Vorhaben kritisch sehen – allein schon wegen der Namen die dahinter stehen. Auch große Unternehmen zaubern kein geld herbei sondern werden Kosten auf die Verbraucher_innen umlegen. Auch hier in Deutschland.
    Zudem muss das Ganze aus Perspektive der Völker in den betroffenen Ländern gesehen werden. Kolonialismus brachte auch Straßen. So sehr der Vergleich hinkt, soll er doch zum Nachdenken anregen. Afrika wurde (und wird) fast alles genommen: nun auch die Sonnenenergie? Zuerst (bzw. parallel) muss der Solarstrom vor Ort Schulen Licht spenden und Krankenhauser, Maschinen und Elektrofahrzeuge, – kocher und Computer versorgen. Wenn Afrika halbwegs auf Augenhöhe ist sollte es uns Strom verkaufen. Zu einem fairen Preis. Standortvorteil Afrika, eine Ressource die mal keinen Bürgerkrieg anzettelt – zumindest einmal.

    (zum TechTransfer: leider sind Parabolspiegel nicht so HighTech, dass sich Gaddhafi danach die Finger leckt… ich bezweifle dies wird eine große Rolle spielen)

  2. Bei aller – berechtigter – Kritik an DESERTEC: Meiner Ansicht nach sollten wir das Projekt nicht von vornherein verteufeln.
    Natürlich ist es nicht alleine seelig machend, dass die Großkonzerne nun ausgerechnet dieses hochtrabende Projekt auserkoren haben, um es zu unterstützen – und an anderen Stellen wird die Zukunftsarbeit vernachlässigt.
    Aber: Die Finanzierung war bisher das drängenste Problem rund um DESERTEC. Wenn dieses durch die Privatwirtschaft gelöst würde, sind wir einen ganz großen Schritt voran gekommen.

    Dass am Ende der Bürger durch höhere Preise oder staatliche Subventionen auch seinen Teil zu dem Projekt beiträgt ist klar – aber auch durchaus berechtigt. Lasst uns alle Hebel in Bewegung setzen, damit DESERTEC irgendwann Realität wird.

  3. Nein, nicht DESERTEC verteufeln, aber auch keine Vorschußlorbeeren verteilen. Ich halte den Fokus “Vollversorgung” und Renewables um jeden Preis für problematisch (am deutlichesten wird das in der Agrospritdebatte). Die Frage ist, Versorgung womit und wofür … Erneurbare Energien – wo produziert und von wem kontrolliert? Hinter den XXL-Renewables Projekten verbirgt sich eine ähnliche Wachstumskritiklosigkeit wie hinter dem Wiederaufleben der Nuklearenergie.
    mehr dazu hier: http://commonsblog.wordpress.com/2009/06/30/energie-als-gemeingut-seu/

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.
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Georg Kössler schreibt über Klima- und Energiepolitik. Er lebt in in Berlin-Neukölln und hat kein Auto.

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