Mit deutschem Vorbild: Atomausstieg in Vermont « Klima der Gerechtigkeit

Mit deutschem Vorbild: Atomausstieg in Vermont

21. Oktober 2011, von

Jochen Flasbarth vor dem State Capitol in Vermont

Wenn Deutschland aus der Atomkraft aussteigen kann, dann sollte  Vermont das auch gelingen. Das ist das Fazit von Jochen Flasbarth, Präsident des Umweltbundesamtes, nach einer Reise durch den Bundesstaat im Nordosten der USA.

Anfang Oktober bin ich zusammen mit Jochen Flasbarth durch Vermont getourt. In Treffen mit Ministern, Abgeordneten, Medien und NGOs haben wir die wirtschaftlichen Chancen der Energiewende in Deutschland betont und Parallelen zu Vermont aufgezeigt. Der Abgeordnete Tony Klein, Vorkämpfer des Atomausstiegs in Vermont und ein Studienfreund von Petra Kelly (wie er mir beim Lunch verriet), nahm den Ball dankbar auf. Unsere Argumente helfen in Vermont, die Atomlobby in die Defensive zu bringen. Sogar in die abc-Abendnachrichten haben wir es mit dem Thema geschafft. Deutschlands Atomausstieg ist in seiner weltweiten Signalwirkung nicht zu unterschätzen.

Und warum gerade Vermont? Vermont ist bekannt für seine traumhaften Wald- und Hügellandschaften, köstlichen Ahornsirup und die liberal-progressive Einstellung seiner rund 600.000 Einwohner. Vielleicht auch deshalb ist es der einzige Bundesstaat, der ein Erneuerbare-Energien-Gesetz nach deutschem Vorbild aufgelegt hat (allerdings noch mit zu schwachen Anreizen und zu vielen Restriktionen). Wie Deutschland will auch Vermont aus der Atomkraft aussteigen. Der Pannenreaktor Vermont Yankee soll im März 2012 endgültig abgeschaltet werden. Doch die Landesregierung muss sich mit der nationalen Atomaufsicht darüber streiten, wie hier gebloggt:

Schon im letzten Jahr hat das Parlament im Bundesstaat Vermont für ein Ende der Atomkraft gestimmt. Doch Obamas Atomaufsichtsbehörde macht das Fass jetzt neu auf, in dem sie dem Betreiber eine Laufzeitverlängerung von 20 Jahren in Aussicht stellt. [...] Wie Mother Jones berichtet, hat die NRC nur einen Tag vor dem Atomunfall im japanischen Fukushima in einer internen Sitzung der Laufzeitverlängerung von Yankee zugestimmt. Nach der Katastrophe traute sich die Kommission mit ihrer Entscheidung zunächst nicht an die Öffentlichkeit. Schließlich ist der Yankee-Reaktor das gleiche Modell von General Electrics wie die Anlage in Fukushima.

Der Fall beschäftigt inzwischen die Gerichte und man kann davon ausgehen, dass der Akw-Betreiber bis vor den Supreme Court ziehen wird. Unterdessen leitet Vermont die Energiewende ein. Die Landesregierung arbeitet an einer umfassenden Energie- und Klimaschutzstrategie, die zum Ziel hat, Vermont im Jahr 2050 zu 90% mit erneuerbaren Energien zu versorgen.

Allen Unkenrufen zum Trotz, in den USA bewegt sich energie- und klimapolitisch ja doch noch was.

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1 Kommentar

  1. [...] diese Tage nicht im Kongress, sondern in den Regionen. Vorreiter wie Kalifornien, Colorado und Vermont setzen trotz Wirtschaftskrise auf den Ausbau der erneuerbaren Energien. Kalifornien wird 2013 den [...]

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Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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