Elektromobilität gar nicht so grün « Klima der Gerechtigkeit

Elektromobilität gar nicht so grün

30. Januar 2012, von

Es wurde wieder fleißig modelliert in Freiburg.

Es wurde wieder fleißig modelliert in Freiburg.

Eine Studie des Öko-Institutes hat vor 2 Wochen das alte Glaubensbild vieler erschüttert, als es den Traum der Elektromobilität auf den Boden der Tatsachen stellte. Durach das Projekt “OPTUM – Optimierung der Umweltentlastungspotenziale von Elektrofahrzeugen” wurde zum Einen ermittelt, was wir sowieso schon wussten: es kommt auf den Strom an. Nur wenn dieser komplett Erneuerbar ist, könnte CO2 eingespart werden. Allerdings auch nicht komplett so viel, wie heutige Benziner verursachen, da die Produktionskette nicht ausser Acht gelassen werden darf. Ohnehin wird eMobility nicht in der baldigen Zukunft unseren Alltag revolutionieren. Bis 2030 werden gerade mal 14% der Fahrzeuge elektrisch – v.a. aber hybrid – sein.

Doch anstatt nun auf einen radikalen Lebensstilwandel und die dringende Transformation des (öffentlichen) Verkehrs, hin zu einem ganzheitlichen, ökologisch und sozial ausgewogenem System zu propagieren, zeigt das Öko-Institut zurück in die Vergangenheit: Effizienz. Natürlich sind Motoren mit weniger Emissionen besser als mit mehr, aber dann muss – zumindest im Jahr 2012! – auch der Rebound-Effekt erwähnt werden.

„Aber wir dürfen auch die konventionellen Pkw nicht aus den Augen verlieren. Werden benzinbetriebene Fahrzeuge bis zum Jahr 2030 deutlich effizienter, können diese allein die Treibhausgasemissionen des Pkw-Verkehrs um 25 Prozent reduzieren.“

Zudem wird auf die Notwendigkeit von Recycling und Innovation im Zusammenhang mit der globalen Rohstoffknappheit hingewiesen:

“Die Wissenschaftler ziehen das Fazit, dass für die Elektromobilität künftig – und zwar bereits in naher Zukunft – vor allem die ausreichende Versorgung mit Dysprosium und Terbium als sehr kritisch eingestuft werden muss.[...] Langfristig wird die Nachfrage nach Kobalt die heute wirtschaftlich förderbaren Reserven übersteigen. Verschärft wird die Situation dadurch, dass ein großer Anteil der Vorkommen in Konfliktgebieten wie dem Kongo liegt.”

Allerdings muss auch hier klar sein, dass Recycling (eine komplette Kreislaufwirtschaft ist hier utopisch!) immer nur die Knappheit abmildern kann und “Innovation” zugleich eher “Hoffnung auf Alternativen” bedeutet, als ein konkreter Lössungsweg ist.

 

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5 Kommentare

  1. Bravo!
    Das ist ein Artikel ganz nach meinem Geschmack! Ganzheitliche, vernetzte Betrachtung ist notwendig. Alles andere ist Ideologie oder/und Selbstbetrug.

    Egal ob klimapolitisch oder ressourcenbezogen: Effizienz ohne Suffizienz wird nicht funktionieren.
    Und die Suffizienz ist in der Bedeutung sogar höher einzuschätzen, als die Effiezienz, sofern es überhaupt sinnvoll ist, eine Rangordnung zu definieren. Denn man wird beides ralisieren müssen: effizienteren Umgang mit Energie und Ressourcen sowie wesentlich größere Bescheidenheit.

  2. Gut gebrüllt, Löwe! Wenn aber deine Texte auch Skeptiker überzeugen sollen, müssen sie in vielem noch besser werden. Lass dich beraten, die Heinrich-Böll-Stiftung bietet die Möglichkeiten dazu.

  3. Überzeugen von Skeptikern durch Verschweigen notwendiger zukünftiger Anforderungen an unser Handeln?
    Einreihen in die Front der Wohlfühl-Argumentierer, nach denen das Aufrechterhalten des heutigen materiell-energetischen Verbrauchsniveaus sinnvoll, vernatwortbar oder – auf Sicht der nächsten Jahrzehte – ressourcentechnisch überhaupt möglich wäre?
    Bei einer weiteren Vergrößerung der Weltbevölkerung um die 30-fache Menge der heutigen deutschen Bevölkerung?
    Und bei der berechtigten Forderung der schon heute in Armut oder Elend lebenenden Menschen, den ihnen zustehenden Anteil an den Ressourcen zu bekommen (Tema Gerechtigkeit)?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Böll-Stiftung Kurse in Kurzsichtigkeit anbietet.

    • Nee, sorry, mit “bessere Texte” meinte ich ganz profane Sachen: Grammatik, Rechtschreibung, begriffliche und logische Klarheit – so was.

  4. Da gebe ich Dir Recht, Kevin. Da ich meist unter Zeitdruck schreibe und mir oft nicht die Zeit zum nochmaligen, gründlichen Durchlesen nehme, bin ich bei späterem Durchlesen mancher meiner Beiträge auch mitunter entsetzt über meine Tippfehler.

    Die Böll-Stiftung bietet also Beratung für fehlerfreies Schreiben auf der Tastatur an?

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