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Wie man Klimaskeptiker finanziert

18. Februar 2012, von

Interne Dokumente des libertär-konservativen Heartland-Instituts aus den USA zeigen, welche Strategien die Organisation verfolgt, um die Klimawissenschaften zu diskreditieren. Das Institut wirbt Spenden aus der Industrie ein und finanziert damit unter anderem Blogs, die Erstellung von Schulunterrichtsmodulen und scheinbar neutrale Organisationen, die Zweifel am Klimawandel streuen sollen.

Die Strategie des Heartland-Instituts ist es offenbar, Industriespenden an Personen weiterzuleiten, die scheinbar neutral und aus eigenem Antrieb den Konsens der Klimawissenschaften hinterfragen. Das hat DeSmogBlog aufgedeckt. Die Klimaretter berichten über vier konkrete Vorhaben:

Schon lange war bekannt, dass besonders in den USA vermeintlich unabhängige Experten aus dunklen Kanälen finanziert werden, um Zweifel an den Klimawissenschaften zu streuen. Die Dokumente des Heartland-Institutes erlauben Einblicke, wie die Macher dabei vorgehen. Der aktuelle Fall zeigt (wie in Teilen die Washington Post ausführt):

  1. Es wird noch immer sehr viel Geld ausgegeben, um Zweifel am Klimawandel zu streuen. In den letzten Jahren hat allein das Heartland-Institut mehrere Millionen US-Dollar dafür verwendet. Die Erkenntnisse der Klimawissenschaften können noch so belastbar und erdrückend ausfallen: die Zweifel am Klimawandel werden künstlich am Leben erhalten. Klimaschützer sollten ihre knappen Ressourcen lieber darauf verwenden, diese Tatsache entlarven, als die immer neu auftauchenden fadenscheinigen Behauptungen der Klimaskeptiker zu widerlegen.
  2. Die großen Ölmultis (z.B. Exxon Mobile) spielen inzwischen und anders als noch vor einigen Jahren eine vergleichbar untergeordnete Rolle bei der Finanzierung von Klimaskeptikern. In den veröffentlichten Heartland-Dokumenten werden neben einem anonymen Großsponsor vor allem viele kleinere Spender gelistet. Ein Indiz dafür, dass hier Geldgeber am Werk sind, die kein bestimmtes Gesetz aufhalten wollen, sondern vor allem einem grundsätzlichen ideologischen Unterfangen nachgehen.
  3. Inzwischen ist es vielen US-Firmen es unangenehm, mit Klimaskeptikern in Verbindung gebracht zu werden. Auf Nachfrage distanzieren sie sich schnell von den Vorwürfen wie z.B. Microsoft. Der deutschen RWE ist das hingegen anscheinend nicht unangenehm, wenn sich mit Fritz Vahrenholt einer ihrer Manager zum obersten Klimaskeptiker Deutschlands aufschwingt. Auch die deutsche Bayer AG taucht auf der Spenderliste des Heartland-Institute auf, allerdings zur Gesundheitspolitik. In 2010 wurde entlarvt, dass Bayer an US-Politiker mit klimaskeptischen Positionen gespendet hat.
  4. Nach meiner Google-Recherche wird der aktuelle Fall in Deutschland bislang nur von sueddeutsche.de, dem Greenpeace-Magazin und den Klimarettern aufgegriffen. Dabei gäbe es einige Zeitungen in Deutschland, denen dieser Skandal eine Meldung wert sein sollte. So waren es vor allem Die Welt und die BILD („Die CO2-Lüge“), die vor kurzem umfangreich und mit gewisser Sympathie über das Klimaskeptiker-Buch von Fritz Vahrenholt berichteten. Die Ewiggestrigen Maxeiner&Miersch kritisieren in ihrem letzten Welt-Kommentar, dass sich de „politisch korrekte Forschungsbetrieb“ noch nicht an die neuen Verhältnisse gewöhnt habe. Ups!? Sehr geehrte Herren Maxeiner & Miersch, wäre es für Sie nicht langsam an der Zeit, auch mal den offensichtlich inkorrekten und anti-wissenschaftlichen Forschungsbetrieb unter die Lupe zu nehmen?

Foto: Screenshot von www.heartland.org

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15 Kommentare

  1. Als Reaktion auf diesen Blogeintrag erhalten wir (wie zu erwarten) Kommentare, die den menschgemachten Klimawandel bezweifeln. Diese Kommentare werden hier nicht veroeffentlicht. Dazu verweise ich gerne nochmal auf unsere Kommentarregeln.

    “Wir sind inzwischen jenseits der Debatte, ob der Klimawandel stattfindet, und ob er durch den Menschen verursacht wird. Diese Debatte weiterzuführen ist steril. Jetzt geht es darum die Diskussion zu führen, wie wir ihn am besten bekämpfen. Mehr zum Thema “Skeptiker” finden Sie hier.”

    http://klima-der-gerechtigkeit.boellblog.org/kommentarregeln/

  2. Interessant, dass hier anscheinend zahlreiche Negierer eines anthropogenen Klimawandels mitlesen.
    Wenn ich dieser Meinung wäre, das sei alles nur Panikmache forschungsgeldgeiler Wissenschaftler, würde ich meine Zeit keinesfalls verschwenden, hier mitzulesen.

    Zum Thema: natürlich haben die bestsellerschreibenden Gurus der Klimawandelnegierer nicht die geringsten wirtschaftlichen Interessen. Hauptsache die mit medialer Feuerkraft gepushten Bücher verkaufen sich glänzend. Und Hauptsache, die Öl- und Kohleindustrie zeigt sich erkenntlich für die Lobbyarbeit.
    Aber wie gesagt: ansonsten hat man natürlich keine finanziellen Interessen und kein Geltungsbedürfnis. Das haben nur diese “panikmachenden Wissenschaftler”.

    So einfach ist die Welt!

    • Ich sehe das persönlich etwas anders. Lt. Aussage der Blogbetreiber ist man “jenseits der Debatte………” Diese Aussage erweckt auf mich den Eindruck eines Dogmas, dem sich jeder unterzuordnen hat. Die diesbezüglichen Kommentarregeln sprechen eindeutig dafür.

      Dass Umweltverschmutzung ein ernst zu nehmendes Thema ist, sollte jedem klar sein. Allerdings kann ich nicht glauben, dass sich Großkonzerne wie z.B. der Mineralölindustrie mit ihren enormen finanziellen Mitteln, hier in Zukunft die Butter vom Brot nehmen lassen. Denn Umweltschutz ist genauso wie Umweltverschmutzung ein sehr einträgliches Geschäft. Man könnte also sofort mit riesigen Geldmengen alternative Industrien aufkaufen und auch dort mitmischen, oder etwa nicht ? Vielleicht passiert das längst, ohne dass das an die große Glocke gehängt werden.

      Insofern steht für mich unumwunden fest, dass beide Seiten (Pro und Kontra) der Klimadiskussion erhebliche finanzielle Interessen und entsprechendes Geltungsbedürfnis haben. Dass dieser als Kommentar vorgetragene Aspekt nicht veröffentlich worden ist, spricht nicht für die Seriösität des Blogbetreibers. Aber es ist schon lange klar, dass die Grünen mittlerweile sich genauso dem Kapital untergeordnet haben, wie all die anderen Parteien.

      So einfach ist die Welt !

      • Klar passiert das auch. Und klar ist auch das ein Riesengeschäft. Interessant dazu übrigens der neue Report der ETC Group “Who will control the Green Economy?” (http://www.etcgroup.org/upload/ETC_wwctge_14dec2011_4web.pdf). Das ändert aber leider nichts an den harten Fakten des Klimawandels. Es macht nur die Suche nach den richtigen und gerechten Lösungen komplizierter. Und übrigens: Dies hier ist kein Blog der Grünen. Wir bloggen alle hier als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung – mit viel persönlichem Engagement.

        • Respekt. Schön, dass Sie meinen Beitrag, trotz der Kritik veröffentlicht haben. Danke auch für den beigefügten Report. Nun, dass die Heinrich-Böll-Stiftung bekanntlich eine parteinahe Stiftung der Grünen ist, hat mich zu meiner Bemerkung veranlasst. Grundsätzlich schätze ich jedes Engagement, das uns und unserer Welt ein Stück weiter hilft. Und es ist sicherlich Fakt, dass wir hier in Deutschland einen besseren Umweltschutz haben, als anderswo.

          Trotzdem betrachte ich das ganze Szenario um den Klimawandel eher aus ökonomischer Sicht. Und es steht nunmal zweifelsfrei fest, dass das Kapital darüber bestimmt, welche Richtung in Zukunft eingeschlagen wird. Ich gehe davon aus, dass sämtliche Global-Player im Energiesektor genau wissen, ob wir ein Ressourcen-Problem an fossiler Energie haben, das hauptsächlich als Ursache für die Klimaerwärmung festgestellt wurde. Grundsätzlich ist es aber so, dass es in einer endlichen Welt niemals ein unendliches Wachstum geben kann. Dieser Wachstumswahn ist aber das Resultat eines Geldsystems, das nur durch die Vergabe von Krediten und dem dazu gehörenden Zins- und Zinsessystem, das sich exponentiell zur tatsächlichen Wirtschaftsleistung entkoppelt hat.

          Es liegt daher auf der Hand, dass neue, noch größere Investitionsfelder und Märkte erschlossen werden müssen, um das Platzen dieser gewaltigen Blase möglichst zu verhindern. Ein globales, Kredit finanziertes Klimaschutzprogramm wäre ein mögliches Instrument, um sich auf viele Jahre hinaus wieder Luft zu verschaffen, da es sich hier um Investitionsvolumen von mehr als 100 Billionen Dollar handeln dürfte.

          Würde man den richtigen Weg gehen, der da lautet auf viele Annehmlichkeiten in der heutigen Zeit zu verzichten und somit die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaften von jetzt auf heute zu reduzieren, wäre das der Super-Gau des derzeitigen Finanz- und Wirtschaftssystems.

          Das sind ebenfalls knallharte Fakten. Und es sollte speziell in der heutigen Zeit wichtiger denn je sein, beide Seiten der Medaille anzusehen.

          Bei allen globalen Entscheidungen, die jemals getroffen wurden und noch zu treffen sind, stehen die Interessen des Kapitals an 1. Stelle.

  3. Aus aktuellem Anlass: Schon interessant, dass es bei einem solchen Artikel ganz plötzlich sehr viele Kommentare aus den Reihen der Klimaskeptiker gibt. An diejenigen, die sich beschweren, dass wir diese Kommentare nicht zulassen, sei hier nochmal auf unsere Kommentarregeln verwiesen (oben in der Hauptspalte der Website zu finden).

  4. Interessant ist auch, dass diese Skeptiker/innen – allen voran das Heartland Institute – dennoch Geld und Energie in GEO-ENGINEERING stecken oder diese Optionen befürworten. Was ist gut am GE, wenn es eh keinen Klimawandel gibt? Es geht um Macht (wer macht Wetter?), Geld (derzeit v.a. Forschungsgelder) und Ressourcen bzw. den Zugang dahin. Auch geht es stark um einen internationalen Phallusvergleich mit China, den konservative US-Akteure gerne betreiben.

    Mit Klimapolitik, Klimawandel oder auch nur einer Klimadiskussion haben die Akteure beim H.I. usw. schon lange nichts mehr zu tun.

  5. Hallo Peter Itzel,
    was das Finanzsystem angeht – das ist dermaßen überdehnt und in Teilen virtualisiert und hat sich so weit von der realwirtschaftlichen Basis entfernt, wie wohl nie vorher in der Wirtschaftsgeschichte.
    Der Super-Gau des Finanzwesens zu einem Zeitpunkt x (vermutlich in diesem Jahrzehnt) ist deshalb unausweichlich, egal ob noch (notwendigerweise) kreditfinanzierte Mega-Investitionsprogramme oben drauf kommen, oder nicht.
    Ein Exponentialsystem braucht eben regelmäßige Kontraktionen, um nicht immer mehr zu überdehnen und instabil zu werden. Und diese Kontraktionen werden schon seit Längerem verhindert durch Schaffung von immer mehr untilgbaren Schulden und nicht realwirtschaftlich begründeter Vermögen. Beides gehört ja immer zusammen.
    Die Hoffnung auf eine noch vieljährige Verlängerung des Status Quo in Wirtschaft und Finanzwesen ist also blauäugig.

    Zum Klimathema: wer wollte bestreiten, dass es auch unter den Klimawissenschaftlern Leute mit hohem Geltungsbedürfnis gibt? Diese Eigenschaft ist auf alle Gruppen von Menschen einigermaßen gleichmäßig verteilt.
    Und mir ist auch kar, dass man ein hyperkomplexes System wie das Weltklimasystem mit seinen nicht bekannten Tipping Point und nur mäßig verstandenen Rückkopplungsmechanismen nicht in Computermodelle zwängen kann.
    Aber die fortlaufende Veränderung der Zusammensetzung der Atmosphäre hinsichtlich der nachgewiesenermaßen klimarelevanten Spurengase birgt zumindest ein sehr hohes POTENZIELLES Risiko, was in Verbindung mit den erwähnten unbekannten Tipping Points und den jetzt schon erkennbaren Rückkopplungen (Methanfreisetzung aus auftauendem Permafrost, Albedoänderungen in der Arktis usw.) leicht zu einem für viele Menschen in den Hot Spots des Klimawandels existenziellen Risiko werden kann. In diesem Jahrhundert des zahkenmäßigen Maximums der Menschheit sind wir wie nie zuvor auf ein halbwegs stabiles Klima angewiesen. Insbesondere in den immer dichter besiedelten Ländern des Südens.
    Es gibt ja bei potenziellen Gefahren das Prinzip der vorbeugenden Risikominimierung.
    Kein Vater würde seinen 3-jährigen Sohn zum Spielen auf eine mäßig befahrene Straße schicken, wenn er befürchten müsste, dass der Sohn mit einer Wahrscheinlichkeit von auch nur 30% überfahren wird.
    Beim potenziellen Großrisiko eines Klimawandels unberechenbarer Intensität schicken wir, um in dem Bild zu bleiben, hunderte Millionen Söhne und Töchter auf diese mäßig befahrene Straße zum Spielen.
    Das kann man zu Recht als verrückt bezeichnen.

  6. Hallo M.E.,

    da gebe ich Ihnen 100%-ig Recht. Vor allem mit den Beispielen am Schluss und dem Fazit: “Das kann man zu Recht als verrückt bezeichnen”.

    Nun in einer Welt, in der wahrscheinlich in Kürze eine Atommacht, die keinen Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat, einen Angriffskrieg einleiten wird und das Ganze mit unabsehbaren Folgen und ohne jegliche Beweise (analog Irak), kennt die Verrücktheit keine Grenzen mehr. Möglicherweise spielt der Klimawandel dann eh keine große Rolle mehr.

  7. So wie es aussieht waren die Dokumente vom Heartland-Institut gefälscht.

    Klimaforscher entwendet Geheimpapiere von Lobbygruppe

  8. Eigentlich bleibt es so wie es ist. Wir glauben zu wissen, wissen aber nichts. Wir leben immer mehr in einer finanzierten Auftragswissenschaft. Und es gibt jede Menge Gründe auf jeder Seite, dafür zu sorgen, dass die “richtige” Richtung eingeschlagen wird.

    Letztlich geht es weder um Klima, noch um die Menschen bzw. den Erhalt des Planeten.

    Hierzu gibt es eine interessante Studie der ETH in Zürich:

    http://arxiv.org/PS_cache/arxiv/pdf/1107/1107.5728v2.pdf

    Dazu ein Kommentar in Deutsch:

    http://www.jjahnke.net/rundbr90.html#2614

  9. “CO2 ist harmlos und Schwerkraft nur eine Theorie.”

    Klasse Video zum Heartland Institute:
    http://forms.climaterealityproject.org/page/s/heartland

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

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