Ein Ministerium für zukünftige Generationen « Klima der Gerechtigkeit

Ein Ministerium für zukünftige Generationen

8. März 2012, von

Es ist ziemlich offensichtlich, dass die etablierten Institutionen unserer westlichen Demokratien mit der Lösung der globalen Klimakrise (ganz zu schweigen noch von anderen Krisen wie Armut und Hunger) überfordert sind. Ein Problem, so wurde nun in Großbritannien erkannt, liegt darin begründet, dass die Interessen zukünftiger Generationen in politischen Entscheidungsprozessen nicht berücksichtigt werden. Die Lösung: Ein Ministerium für zukünftige Generationen. Eine Utopie?

Bisher leider schon. Das Ganze ist eine Idee der Foundation for Democracy and Sustainable Development, einem kleinen Think Tank in London, der sich Gedanken darüber macht, wie wir unsere Demokratien fit machen für Nachhaltigkeit. Aber an der konkreten Vision und daran, was diese für heutige Politikentscheidungen bedeutet, arbeiten sie mit einer größeren Allianz von Akteuren. Und ganz so abwegig finden auch andere die Idee nicht. Immerhin fordert der WBGU in seinem aktuellen Gutachten einen Ombudsmann für genau diese Interessensgruppe. Und im Zero Draft der Abschlusserklärung für die Rio+20-Konferenz taucht die Idee ebenfalls auf.

So jedenfalls sieht es aus, wenn uns eine Ministerin für zukünftige Generationen aus dem Jahr 2050 besucht.

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3 Kommentare

  1. Der (unter dem Link “So” leider etwas versteckte) Septima-Tulisa-Clip ist ja ganz nett und nachdenkenswert, aber so ein Amt wirklich einzuführen, halte ich für illusorisch. Die westlichen Demokratien (und nicht nur sie, sondern auch Länder wie China, Indien, Russland, Brasilien etc.) sind mit der Lösung der Klimakrise keineswegs “überfordert” – sie wollen schlichtweg nicht.

    Und wenn sie schon die elementare Lebensinteressen künftiger Generationen nicht in Betracht ziehen, warum sollten sie dann ein – notwendigerweise rein symbolisches – Pseudoministerium einführen?

    Das ist ein interessantes Gedankenspiel, finde ich, aber nicht mehr.

  2. Ganz meine Meinung, Harald Gegenfurtner.
    Was müsste ein Ministerium für zukünftige Generationen sofort realisieren? (wohlgemerkt: nicht fordern. Fordern ändert nichts. Es geht ums wirkliche Verändern):
    1. starke Absenkung des durchschnittlichen materiell-energetischen Verbrauchsniveaus pro Kopf, denn dieses ist absolut nicht zukunftsfähig. Insbesondere wenn man bedenkt, dass noch 30 mal die Einwohnerzahl Deutschlands zusätzlich auf der Erde wohnen wird in 40 Jahren.
    Also starke Wohlstandseinbußen. Das würde jedoch zu einer massiven Revolte führen, sowohl derjenigen, die hauptsächlich vom Wohlstandsverlust betroffen wären (obere zwei Drittel der Bevölkerung) als auch der Millionen zusätzlichen Arbeitslosen, die dadurch entstehen.
    2. Ende der Überschuldung, die jede nachfolgende Generation zunehmend strangulieren wird.
    Das ginge nur mit einem massiven Schuldenschnitt, also einem erheblichen Einschnitt in den Vetrauensschutz der Gläubiger. Plus eines wirksamen Neuverschuldungsverbots. Auch das würde von der Seite der vielen Gläubiger zu Revolten führen und zu einer internationalen “finanzpolitischen Quarantäne” des Staates, der dies durchführen würde.

    Diese beiden Forderungen an ein Zukunftsministerium wären aber schon mal unabweisbar, um es sinnvoll zu machen.

    Dazu kommen zahlreiche weitere Maßnahmen gegen starke potenzielle Gefahren für zukünftige Generationen.
    Zum Beispiel:
    -Kampf gegen die Ausbreitung multiresistenter Keime (zunächst sehr teuer aber absolut notwendig für die Zukunft),
    -deutliche Verminderung der sozialen Spaltung, weil diese die Desintegration der zukünftigen Gesellschaft mit all ihren negativen Folgen bewirken könnte,
    -erhebliche Verminderung der Emissionen aller Art (zum Beispiel auch die zunehmend gesundheitsgefährdende Anreicherung chemischer Substanzen wie Pharmakarückständen usw. im Grundwasser und den Böden)

    und vieles andere.

    Vieles wird auf Grund der damit verbundenen jetzigen Kosten und Wohlstandsverluste (zum Zwecke der Minimierung zukünftiger Kosten und Wohlstandsverluste, die ohnehin auf unsere Nachfahren zukommen) auf keinerlei Akzeptanz der breiten Bevölkerungsmehrheit stoßen. Also in einer Demokratie (die wir glücklicherweise haben) nicht durchzusetzen sein.

    Ein Zukunftsministerium könnte also nur ein Symbol der Wohlfühlgesellschaft sein, nach dem Motto: “Na bitte, wir tun doch was”. Freilich ohne das wir was tun. Ein weiteres Selbstbetrugsmanöver unter vielen anderen.
    Also werden wir die Lektionen, die aus unseren heutigen Fehlern und Illusionen resultieren, zukünftig eher auf die harte Tour erlernen müssen. Erzwungen durch die unerbittliche Realtät.
    Und unsere Enkel/Urenkel natürlich dann ebenfalls, noch drastischer als wir.

  3. Das Ministerium für zukünftige Generationen ist ein guter Ansatz um mehr soziale Gleichheit und intergenerative Gerechtigkeit in politische Entscheidungsprozesse zu bringen. Bei der Stiftung World Future Council arbeiten wir an einer aehnlichen Idee: Ombudspersonen für zukünftige Generationen. Unsere Kampagne ist auf die Rio+20 Konferenz diesen Juni fokussiert.

    Bitte lesen Sie einen Bericht über dieses Thema im Spiegel Online, dass am lachste Donnerstag geschrieben wurde:http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,819749,00.html#ref=rss

    Es gibt hierzu auch ein Petition mit Terres des hommes und Social Watch: http://www.righttothefuture.org/RFHomeDE

    Wir haben auch einen Future Justice Blog (nur auf Englisch): http://www.futurejustice.org/
    oder besuchen Sie die generelle WFC Webseite (auch auf Deutsch): http://www.worldfuturecouncil.org/

    Sie können uns auch auf Twitter finden: https://twitter.com/#!/futurejustice0 und https://twitter.com/#!/Good_Policies

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Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

degrowth conference Leipzig 2014

Fleischatlas 2014

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