Club of Rome mit neuem Bericht: “2052″ « Klima der Gerechtigkeit

Club of Rome mit neuem Bericht: “2052″

8. Mai 2012, von

Der neue Bericht des Club of Rome.

Nach dem wegweisendem Report “Limits of Growth” des Club of Rome vor genau 40 Jahren erscheint nun mit “2052: A Global Forecast for the Next Forty Years” ein neuer Bericht der internationalen “Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik aus allen Regionen unserer Erde” (Selbstdarstellung des Club of Rome).

Der Zukunftsforscher Jorgen Randers sammelte dafür Beiträge führender Wissenschaftler, Ökonomen und Zukunftsforscher verschiedener Fachbereiche. Der Bericht prüft dabei, inwiefern die bestehenden Visionen einer besseren, nachhaltigen Welt rechtzeitig umgesetzt werden können. Ist der Klimawandel noch zu bremsen? Wie kann der Bevölkerungsanstieg kompensiert werden? Welche Staaten werden Gewinner, welche Verlierer sein? Wie steht es um den derzeitigen Glauben in das alte Wachstumsmodell und wie wird China sich weiter verändern und verhalten? Mit verschiedenen Modellarten werden hier mögliche Zukunftsszenarien entworfen. U.a. kommt Randers zum Schluss, dass die Menschheit zu langsam reagiert, China die USA ablösen wird, auch in 2052 noch 3 Mrd. Menschen arm sein werden und das Wirtschaftswachstum weniger stark sein wird als bisher gedacht. Deshalb müssen alle langfristiger denken. Neben diesen “Neuigkeiten” wird auch ein ziemlich genauer Temperaturanstieg von +2,8°C bis 2080 vorhergesagt. (Wird der IPCC jetzt arbeitslos?)

Das erinnert stark an den Bestseller von 1972, doch damals schaffte es dieser “nur”, Aufmerksamkeit auf die Grenzen des Wachstums zu lenken – nicht das Handeln zu verändern. Generell halte ich den Einfluss von solchen Berichten für sehr begrenzt: sie öffnen die Augen, aber nicht die Seelen. Was ist also das Novum an diesem Buch? Welcher neue Blickwinkel wird uns verraten oder wo liegt die neue schlechte Nachricht? Haben wir nicht schon so viele schlechte (und auch gute) Nachrichten im Zusammenhang mit Klima und Nachhaltigkeit in den letzten Jahren bekommen, dass einfach alles neue auf taube, zynische Ohren treffen muss? Ist das Zeitalter der großen Erzählungen nicht vorbei? Haben die Modelle der Zukunftsforscher sich nicht das ein ums andere Mal als falsch oder nur bedingt Visionär entpuppt? Sollten wir nicht, statt auf Zukunftsmodelle zu warten, fragen, welche Zukunft wir wollen?

Bitte schreibt mir hier, wenn ihr einen Blick in das Buch geworfen habt und das ganze evtl. etwas enthusiastischer seht als ich.

 

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5 Kommentare

  1. Ja, Georg,
    welche Zukunft wir wollen…
    Bestimmt nicht eine, die geprägt ist von einer Vielzahl von Fakten, die hier nur mal völlig willkürlich herausgepickt sein sollen:

    -durch die Plünderung fast nicht erneuerbarer Grundwasseraquifere in Indien mit einer jährlichen Wasserentnahme von 250 Kubikkilometern mittels 22 Millionen Elektropumpen (macht sagenhafte 200000 Liter pro Inder pro Jahr) wird durch deren weitgehende Erschöpfung in etwa 20 Jahren die “grüne Revolution” mit steigenden Hektarerträgen und einer zusätzlichen Ernte während der 8-monatigen Trockenzeit ein plötzliches Ende finden.
    Mit anderen Worten: wenn die Bevölkerung Indiens der 1,5-Milliarden-Grenze zusteuert, werden nur noch ca. 700 Millionen Menschen zu ernähren sein. Bei einem im Stadium der Zerrüttung befindlichen Weltagrarmarkt.
    Ähnliche Einschätzung muss für eine Reihe anderer Länder getroffen werden: Pakistan, Bangladesch, Nordostchina, westlicher Corn-belt in den USA, Saudi-Arabien usw.

    -in Ägypten wird in den nächsten 20 Jahren eine 7000-jährige Ackerbaukultur zu Ende gehen durch das fortlaufende Fehlen fruchtbaren Nil-Schlamms, der sich nun im Nasser-Stausee nutzlos ablagert.
    Das Nildelta als Haupternährungsbasis wird in 20…30 Jahren fast völlig versalzen und überbaut sein. Bei dann 120 Millionen Ägyptern.

    -der Fischfang in weiten Bereichen der Ozeane wird vor dem Kollaps stehen, ebenso in den Binnengewässern von Ländern mit großer Bevölkerung. Die Aquakulturen werden sich infolge des immer teurer werdenden großen Inputs von Energie, Fischnahrung (teils in Form kleiner Fische, die dafür gefangen werden) und immer größeren Massen an Antibiotika als untauglich für den den Ersatz des kollabierenden Wildfischfangs erweisen

    -etwa zum Ende der 20er Jahre wird es zu einem stärkeren Rückgang der Phospatbereitstellung kommen, was einen der 3 wichtigsten Pflanzennährstoffe drastisch verknappen wird.
    Und bei Knappheit auch nur einer dieser 3 Nährstoffe (Phosphor, Stickstoff, Kalium) sinken die Hektarerträge erheblich.

    -die Verluste an Ackerböden durch Wasser- und Winderosion, Überbauung, Versalzung, Desertifikation, Versauerung, Degradation werden beschleunigt weitergehen. Erst kürzlich wurde zum Beispiel in China die als sehr kritisch geltende Grenze von 120 Millionen Hektar unterschritten. Vor 40 Jahren waren es 30 Millionen Hektar mehr.

    Nun Schluß mit dieser unerfreulichen willkürlichen Aufzählung. Der Problemkreis Klimaänderung oder Peak Oil und dessen Auswirkungen ist nicht einmal darin enthalten.

    Nein, es wird nicht die Zukunft sein, die wir wollen. Dass sich Deutschland mit seinen realtiv wenig erodierenden Böden und (bisher) ganzjährigen moderaten Niederschlägen dagegen fast auf einer Insel der Glückseeligen befindet, kann angesichts dieser Entwicklung in bevölkerungsreichen Ländern kaum trösten. Zumal die Schockwellen dieser Entwicklung uns auch stark betreffen werden.

  2. Übrigens:
    dass der Klimawandel das längerfristig absolut überragende Problem der Zukunft sein wird, ist hier wohl Konsens. Wenngleich natürlich nicht detailliert kalkulierbar, aber potenziell ein existenzielles Problem.
    Aber für die nächsten 3 Jahrzehnte wird das Problem sowohl der natürlichen Lebensgrundlagen (Wasser, Boden, Wälder, Fisch usw) sowie der anderen physischen Wertschöpfungsgrundlagen (wichtige Rohstoffe) im Erleben der Menschen absolut an erster Stelle stehen, ergänzt durch die zunehmend dysfunktional werdenden Finanzmärkte und deren soziale Folgewirkungen.

    Wenn der Club of Rome nun prophezeiht, dass das weltweite Bruttosozialprodukt im Jahr 2052 “nur” um 220% höher sein wird als heute (ich nehme an, das ist inflationsbereinigt gemeint, denn ansonsten wäre ja die Angabe in Unkenntnis der zukünftigen Inflationsentwicklung sinnlos), dann frage ich mich, womit dieses mehr als doppelte Weltsozialprodukt erwirtschaftetet werden soll.
    Mit wesentlich weniger Öl, Gas, Kobalt, Silber, Phosphor und erodierenden natürlichen Wertschöpfungstreibern?
    Ich halte die nicht sehr erbauliche Prognose dagegen, dass es in den 20er bis 40er Jahren zu einem rasanten Rückgang der globalen Wirtschaftsleistung kommen wird. Denn schon die Zurverfügungstellung der knapper werdenden physischen Wertschöpfungsbasis wird einen immer größeren Anteil der sinkenden Gesamtwertschöpfung absorbieren.
    Und die Wirtschaft wird sich immer mehr auf die Lebensbasisbedürfnisse fokussieren müssen, weil darüber hinaus garnicht mehr sehr viel Wertschöpfungsvolumen übrig bleiben wird.
    So werden zum Beispiel angesichts einer immer mehr demechanisierten Landwirtschaft in den ölimportabhängigen Ländern wieder sehr viel mehr Menschen in diesem primären Wirtschaftssektor arbeiten müssen, mit entsprechend wesentlich geringerer Pro-Kopf-Wertschöpfung.

    Selbst der Club of Rome hängt also einer, wengleich abgemilderten, Wachstumsideologie an.
    Das wundert mich, denn Randers als Co-Autor von Meadows schien mir schon mal weiter zu sein mit seiner Erkenntnis. Meadows sieht das nach meiner Kenntnis etwa in der Weise, wie ich es hier dargestellt habe.

  3. Aufruf anlässlich des Club of Rome Berichts “2052″

    Menschenrechte, Demokratie und Lebensgrundlagenzerstörung

    „Die rechtsförmliche Diskussion über die Würde des Menschen und die Auslegung durch den Richter sind ihrerseits, weit mehr als man denkt, von den ethischen Auffassungen der Bürger einer Kulturgemeinschaft abhängig. Diese moralische Urteilskraft ist in dem Wissen von gesellschaftlichen Institutionen gespeichert, die das Grundgesetz besonders schützt: die Familien, die Schulen, die freie Presse, den Rundfunk und die Universitäten, die Religionsgemeinschaften, oder die politischen Parteien.“*

    Was neuerdings Leben, Freiheit und Würde des Menschen am meisten bedroht, zerstört und noch viel mehr zerstören wird, ist allerdings von seiner moralischen Bewertung her in krassem Missverhältnis um so weniger in diesen Institutionen gespeichert: Im Zuge einer rasenden Entwicklung sprengen wir mit technischen Anwendungen immer noch viel extremer als zuvor lokale und zeitliche Grenzen von Völkern und Generationen. Eine ältere Minderheit in den reichen und mächtigen Nationen des Planeten setzt so auf Kosten einer globalen, zukünftigen und überwältigenden Mehrheit ihre Lebensweise durch und verletzt so fortwährend und fundamental deren Rechte auf Würde, Freiheit und Leben.** Diese Menschen haben keine Chance dagegen zu protestieren oder abzustimmen. Dennoch sind sie in der traditionellen Moral der Institutionen nicht vorgesehen und auch in den Debatten und Auseinandersetzungen um Demokratie und Menschenrechte ist von ihnen fast nie die Rede.
    Ich fordere dazu auf, in allen Institutionen die Rechte von von Menschen in besonders betroffenen Regionen des Planeten, von Kindern und vor allem von nachfolgenden Generationen zu repräsentieren, zu verteitigen und einzufordern. Wir machen uns der fahrlässigen Tötung schuldig, wenn wir dies unterlassen. Eine global und nachhaltig verträgliche Lebenweise, wird auch uns Hier und Jetzt insgeamt nur Vorteil und Gewinn bringen.***

    *Prof. Dr. Dr. Udo Di Fabio – Einführung in das Grundgesetz, C. H. Beck 2011

    ** Club of Rome Bericht “2052″ s. z. B.: SZ – Warnung vor dem Kollaps

    ***http://www.fuehlenunddenken.de/2012/05/01/das-prinzip-nachhaltigkeit/

  4. Wieviele Fortsetzungen wird diese Angstmache noch haben?

    “Die Schlacht um die Menschheit zu ernähren ist vorbei. In den 70ern wird die Welt Hungersnöte erleben. Hunderte von Millionen Menschen werden sterben trotz der eingeleiteten Notfallprogramme. Bevölkerungskontrolle ist die einzig richtige Antwort”. (Paul Ehrlich in seinem Buch “The Population Bomb”, 1968)

    “In besonders detaillierten Studien haben Pestel und Mesarovic die Lage Südasiens untersucht. Sie kommen zu dem Schluss, dass selbst bei optimistischen Annahmen eine Hungerkatestrophe erwartet werden muss , die in den frühen achtziger Jahren beginnt und um das Jahr 2010 ihren Höhepunkt erreichen wird’. Die Autoren rechen mit einer Milliarde Hungertoten.”
    Der Stern Nr. 44/1974 (in einem Artikel über einen Bericht des “Club of Rome”, den Eduard Pestel und Mihailo Mesarovic verfasst hatten)

    “Es wird dann zu solcher Zerrüttung in den zuerst betroffenen Regionen, wie etwa Indien, und zu Milliarden Toten kommen.”
    Dennis Meadows,1974 (Stern-Interview)
    Quelle: Der Stern Nr. 44/1974

    “Mehr als dreieinhalb Milliarden Menschen bevölkern bereits unseren sterbenden Planeten – und etwa die Hälfte von ihnen wird verhungern.”
    Paul Ehrlich 1972 in einem Zukunftsszenario
    Quelle: Alvin Toffler, Kursbuch für das Dritte Jahrtausend, Bern 1973

    http://www.guardian.co.uk/world/2012/apr/15/uk-aid-forced-sterilisation-india

    Das ist die praktische Hilfe ?

  5. Tja, lapsus,
    diese offensichtliche Fehleinschätzung in Bezug auf Südasien war einfach darin begründet, dass man die Plünderung der Grundwasseraquifere durch zig Millionen Elektropumpen nicht vorraussah. Dadurch konnte die Bewässerung ausgedehnt werden und eine zweite Ernte in vielen Gebieten während der 8-monatigen Trockenzeit erreicht werden. Dadurch hat sich in Indien die Ernährungslage in den letzten 30 bis 40 Jahren sogar verbessert, obwohl sich die Bevölkerung auf 1,2 Milliarden verdoppelte.

    Und was macht man, wenn der Schwund der Grundwasservorkommen in spätestens 20 Jahren der “grünen Revolution” ein jähes Ende bereitet?

    Damit Du siehst, was “Trockenzeit” in Indien bedeutet, hier die aktuellen Wetterdaten aus Indien:
    http://wetter.spiegel.de/spiegel/html/indien0.html

    Temperaturen in weiten Landesteilen über 40 Grad bei Null Niederschlag.
    Ohne die Plünderung der Grundwasservorkommen geht dann ernährungsmäßig während der Trockenzeit fast nichts mehr. Wenn man nicht gerade sein Feld in der Nähe eines der abwasserverseuchten Flüsse hat.

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Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

Anti-Kohle-Kette 23.08.2014

degrowth conference Leipzig 2014

Fleischatlas 2014

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