Die “Nationale Plattform Elektromobilität” hat vor wenigen Tagen ihren zweiten Bericht an die Bundesregierung übergeben und Empfehlungen für den Ausbau der Elektromobilität ausgesprochen. “Dem Elektroauto gehört die Zukunft”, verkündete Angela Merkel als Antwort, und gleich vier Bundesministerien melden sich in einer gemeinsamen Presseerklärung zu Wort, in der sie die Option Elektroauto durchweg hochloben. Doch umstritten ist das E-Auto nach wie vor, hier ist die öffentliche Diskussion kaum weiter gekommen. (weiterlesen …)
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Elektroautos – Lösung oder Lebenslüge?
Der Klimawandel betrifft globale Ernten
Wir wissen, dass der Klimawandel real ist und bereits stattfindet. Doch was das konkret bedeutet, und wie unsere Welt heute aussähe, wenn sie sich bisher noch nicht erwärmt hätte, das ist schwer zu fassen. Die Klimawissenschaft rechnet uns vor, dass sich die globale Mitteltemperatur gegenüber der vorindustriellen Zeit bereits um 0,7 Grad erwärmt hat. Eine Studie hat nun untersucht, welche Einflüsse diese Erwärmung auf die Nahrungsmittelproduktion gehabt haben könnte. Das Ergebnis: der Klimawandel hat zu Ernteeinbußen von global drei bis fünf Prozent bei den Grundnahrungsmitteln Mais und Weizen geführt. Die größten Verluste erlitten Russland und China, stellt die Studie amerikanischer Forscher fest, die jüngst in der renommierten Zeitschrift „Science“ erschienen ist (hier zum Artikel der Studie, hier zum policy brief). (weiterlesen …)
China entwickelt Klimapolitik weiter
Ungeachtet der Tatsache, dass im internationalen Klimaprozess nicht viel vorangeht und die USA weiterhin auf sich warten lassen, arbeitet die chinesische Regierung im Eiltempo an der Umsetzung seiner Klimaziele. Im März 2011 wurde der neue Fünfjahresplan angenommen, der auch einige ambitionierte Klima- und Energieziele enthält. So soll der Energieverbrauch in den Jahren 2011-2016 um 16% pro BIP-Einheit zurückgehen, die CO2-Emissionen um 17%. Nun, bereits wenige Wochen nach Annahme des Plans, werden die Grundlagen für die Einführung neuer Klima- und Energiepolitik gelegt. Siehe hier ein Bericht aus der China Daily, oder hier aus Xinhuanews. Schön wäre es, wenn sich China ein Beispiel am Klimagesetz von Großbritannien nehmen würde und gleich den Rahmen für langfristige, verlässliche Klimaziele legen könnte. Aber dafür müssen wir wohl bis zum nächsten Fünfjahresplan warten?
Foto: von 350.org auf Flickr.com mit Creative Commons Lizenz
Grün wachsen oder gesund schrumpfen ?
Lässt sich das Ziel, die Emissionen von Treibhausgasen drastisch zu verringern, besser mit weitergehendem Wirtschaftswachstum oder nur ohne realisieren? Dies ist eine Frage, die derzeit ziemlich die Gemüter erhitzt. Und die das Lager der Politiker, Klimaschützer, Umweltbewegten in zwei Lager spaltet. Der Disput materialisierte in der letzten Woche an zwei Szenarien für die EU und für China.
Auf der einen Seite zeigt eine Studie von Carlo C. Jaeger und anderen vom PIK, Oxford, Sorbonne, Uni Athen im Auftrag des BMU, dass das 30% Ziel der EU nicht nur mit vertretbaren, geringen Einbußen beim BIP-Wachstum erreicht werden kann, wie zuvor zig Studien gezeigt haben, sondern dass das 30%-Ziel sogar das Wirtschaftswachstum erhöhen wird. Die Studie “A New Growth Path for Europe” rechnet mittels ökonometrischen Modellen aus, dass eine Verpflichtung auf minus 30% zu 0,6% höherem Wirtschaftswachstum als business-as-ususal und 6 Millionen zusätzlichen Jobs führen wird.
Auf der anderen Seite kündigte die Regierung Chinas laut der Zeitschrift The Guardian an, im nächsten Fünfjahresplan von 2011-2015 ihr Wirtschaftswachstum auf 7% reduzieren zu wollen, um Emissionen und andere Umweltbelastungen zu verringern. O-Ton von Präsident Wen Jiabao: “We absolutely cannot again sacrifice the environment as the cost for high-speed growth, to have blind development, and in that way to create over-capacity and put greater pressure on the environment and resources. That economic development is unsustainable.”
Wenn China sein Wachstum der letzten Dekade von 11-13% tatsächlich mit politischen Maßnahmen in Zukunft halbiert, wäre das historisch absolut einzigartig. Doch handeln sie überhaupt sinnvoll? Wer hat denn recht: brauchen wir Wachstum, und können wir sogar verstärktes Wirtschaftswachstum haben, um unsere Ökonomien klimafreundlicher zu machen? Oder sollten wir unser Wachstum mäßigen, um dieses Ziel zu erreichen? Fürwahr sind dies zwei “Schismen”, wie Reinhard Loske es in seinem Essay “Abschied vom Wachstumszwang” genannt hat. Der Glaubenskrieg wird uns noch eine Weile beschäftigen…
Doppelter Fußtritt für die Klimaverhandlungen
Die englische Zeitschrift Guardian ist ja mittlerweile sozusagen das Sprachrohr geworden, mit dem Skandale aus der internationalen Klimapolitik in die Öffentlichkeit verbreitet werden. Letztes Jahr zum Beispiel der Bericht über die fatalen Stunden in der letzten Nacht von Kopenhagen; oder später der Zugang zu den Life-Mitschnitten der Staatschefs, und anderes mehr.
Heute gleich zwei neue Skandale im Guardian – jedenfalls emfinde ich sie als Skandale. Zum einen ein Artikel von Suzanne Goldenberg darüber, dass der UN-Generalsekretär Ban Ki Moon sein Interesse an den UN-Klimaverhandlungen aufgibt und sich lieber um das Thema “Greening the Economy” kümmern möchte. Zum anderen ein Artikel von Ivo de Boer, ehemaliger Generalsekretär der UN-Klimarahmenkonvention, dass es jetzt besser sei, “Green Growth” und Energiefragen zu diskutieren, als über Emissionsreduktionen zu verhandeln. Ein doopelter Ausstieg sozusagen: der höchste UN-Vertreter und der ehemals höchste UN-Klimavertreter machen ihren Namen alle Ehre: sie (ver)treten die Verhandlungen mit Füßen. (weiterlesen …)
Mit freundlichen Grüßen: IEA und CIA, sind nicht OK !
Neulich hat der CIA ausgesprochen, was die Klimapolitik zur Zeit als letztes gebrauchen kann. In einem informellen Briefing beim Pew Charitable Trusts’ in Washington sagte ein ranghoher CIA-Angestellter: das 2 Grad Ziel sei schlicht und ergreifend nicht zu erreichen. Er rate dazu, dass die Politiker sich von einem Stabilisierungszenario von 450ppm verabschieden sollten. 550 oder gar 650ppm wären hingegen schon realistischer.
Nun hat es der Chef-Ökonom der Internationalen Energie Agentur (IEA), Fatih Birol, in ähnlichen Worten wiederholt: es sei “virtually impossible” für die Welt, noch innerhalb der von der Wissenschaft als “sicher” geltenden 2 Grad Erwärmung zu bleiben. Bei seiner Rede im Imperial College in London meinte er, Politiker sollten dem Ziel einen “Abschiedskuss” geben, dass die globalen Emissionen noch vor dem Jahr 2020 ihren Scheitelpunkt überschreiten und absinken könnten. (weiterlesen …)
Klima-Konferenz in Cancun: Es braucht eine dreiteilige Strategie
Heute beginnt die sechzehnte Klimakonferenz der Vereinten Nationen in Cancun, Mexiko. Folgt auf das Scheitern von Kopenhagen ein „High-Noon in Cancun“? Vieles spricht dagegen, dass die Regierungen der Welt einen Durchbruch in der internationalen Klimapolitik erzielen werden, wenn sie sich die nächsten beiden Wochen am Golf von Mexiko treffen. Große Pressemeldungen sind nicht zu erwarten. Doch wäre es kurzsichtig, die Konferenz in Cancun als unnötig oder von vorneherein gescheitert abzutun. Im Gegenteil, wird sie für die Klimadiplomatie eine enorm wichtige Konferenz. Denn die Herausfordernungen sind riesig! Um sie zu erwidern, braucht es eine dreiteilige Strategie.
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Seoul trumpft Kopenhagen. Doch Exportorientierung schadet dem Klima
„Größte Finanzkrise der Wirtschaftsgeschichte – und doch nichts gelernt“ – dieser Eindruck beginnt sich zu verhärten. Mit dem Treffen der weltgrößten Volkswirtschaften in Seoul ist ein weiterer G20-Gipfel ohne wegweisende Beschlüsse zu Ende gegangen. Eine grundlegende Reform der Finanzmärkte wurde bereits auf den letzten Gipfeln zugunsten von Klein-Klein-Lösungen ad acta gelegt. Nun hat Seoul die Hoffnung auf die Lösung eines anderen, grundlegenden Problems begraben: einen Ausgleich der immensen Handelsungleichgewichte zu erwirken. Allen voran die Bundesregierung hat dafür gesorgt, dass an diesen im Zustand nichts geändert werden soll. Dass die überzogene Exportorientierung Deutschlands und andere Länder der Wirtschaft, dem Klima und der Gerechtigkeit in der Welt schadet, spielt dabei offenbar keine Rolle. (weiterlesen …)
Nachruf auf Hermann Scheer
Hermann Scheer ist tot. Offenbar völlig unerwartet ist der Träger des alternativen Nobelpreises gestorben; noch vorgestern habe ich seine ganzseitige Annonce in der Süddeutschen Zeitung gelesen “Erneuerbare Energien brauchen keine Brücken”, mit der er zusammen mit vielen anderen gegen den Ausbau der Atom- und Kohlewirtschaft angeht. Welch ein Verlust für die Welt! Für die Verbreitung von Erneuerbaren Energien und den Kampf für den Einstieg in eine fossile, erneuerbare Wirtschaft!
Ohne Zweifel war Hermann Scheer weltweit DER einflussreichste Fürsprecher und Vorkämpfer für Erneuerbare Energien in den letzten 20 Jahren. (weiterlesen …)
Interpol jagt Klimaschänder
Interpol, die viele von uns eher aus Krimis oder der Sensations-Presse kennen, möchte jetzt auch Klima-Verschmutzer jagen. Klingt erstmal aufregend, oder! Aber werden demnächst alle Mercedes-Fahrer oder sonstige Luxus-Karossen-Besitzer eingelocht, wenn sie weiter das Klima verschmutzen? Hm. Dafür müsste das Emittieren ja erst mal strafbar sein. Ist es aber noch nicht. Daher geht es Interpol doch wieder nur ums Geld: sie wollen verstärkt jene Sünder suchen, die sich auf dem Emissionshandelsmarkt mit unlauteren Methoden Knete verdienen. “As the price of carbon increases, we know that the more lucrative it becomes, the more criminals will be attracted to the market,” sagte der neue britische Umweltminister, Lord Chris Smith, am Rande einer Interpol-Tagung in Lyon (Mehr dazu hier.). Immerhin: wenn es Milliarden-Betrügereien, wie es sie auf dem EU-Emissionshandelsmarkt schon gegeben hat (siehe z.B. die faz, EUROSOLAR, Tagesspiegel) in Zukunft weniger gibt, ist damit auch indirekt dem Klima geholfen.

