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Artikel getagged mit ‘Klimawissenschaft’

Wichtiges und Lesenswertes zum neuen IPCC Bericht

27. September 2013, von Lili Fuhr, Comments (2)

Nun ist er da: für den ersten Teil des 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC wurde heute früh die Zusammenfassung für Policy Makers verabschiedet und veröffentlicht.  Und ich bin beileibe (und zum Glück!) nicht die erste und vor allem nicht die einzige, die das Bedürfnis hat, darüber zu schreiben… Daher möchte ich hier vor allem einen Überblick über gute Analysen von anderen geben:

Die wichtigsten Aussagen fasst Stefan Rahmstof in seinem Blog zusammen.

Über die Vorstellung der Ergebnisse in Deutschland durch Peter Altmaier berichten ausführlich die Klimaretter.

Berichtet haben fast alle wichtigen deutschen Medien. Einige haben sich leider sehr schnell auf die Aussage gestürzt, dass die globale Erwärmung in den letzten 15 Jahren langsamer war als im Zeitraum davor (siehe z.B. Welt und Spiegel). Das kommt den Klimaskeptikern und Kohlefans natürlich wie gelegen, um gegen strenge Klimaschutzziele und angeblich hohe Ökostrompreise zu wettern. (more…)

Zur Debatte um die UBA-Broschüre “Und sie erwärmt sich doch”

24. Mai 2013, von Lili Fuhr, Comments (3)

Da es selten vorkommt, dass ich mich über einen Artikel der Klimaretter aufrege, will ich doch gleich die Gelegenheit nutzen, dies hier in Blogform zu tun: Die Debatten um die UBA-Broschüre “Und sie erwärmt sich doch” kochen ja auf vielen Medienkanälen gerade ziemlich hoch (z.B. bei heute, Welt oder Spiegel Online). Aber eben auch bei Klimaretter.info. Und da gibt es zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Frage, ob das UBA bekannte Klimaskeptiker in Deutschland namentlich nennen darf.

Laura-Sophie Schulz und Susanne Ehlerding sagen nein und schreiben: “Grundsätzlich aber sind Kritiker als Stachel im Fleisch wichtig. Sie bewahren vor einer Selbstzufriedenheit, die schädlich für den schwierigen Erkenntisprozess in der komplexen Klimawissenschaft wäre.” Verena Kern dagegen sagt ja und schreibt: “Die Herren dürfen meinen, was sie wollen – niemand schränkt sie darin ein. Das Umweltbundesamt weist in seiner Broschüre lediglich darauf hin, dass sie falsche Informationen über den Stand der Wissenschaften verbreiten – das hat nichts mit Meinung zu tun. Im Übrigen greifen Klima”skeptiker” oft zu extrem schrillen Worten, werfen Wissenschaftlern sirenenhaft Lüge, Betrug und Verschwörung vor. Liebe Leute, wer austeilt, sollte auch mal einstecken können.”

Um mal einen meiner anderen Onkel zu zitieren, Eckhard Fuhr, der vor vielen Jahren in der Welt (!) schrieb: “Wenn man sich daran erinnert, mit welchen Behauptungen und Thesen sie [die Klimaskeptiker] in diese Debatten gegangen sind – bewaffneter Demokratie-Export, Brachialreform der Sozialsysteme, Leugnung des von Menschen verursachten Klimawandels – dann müsste man heute eigentlich ihren intellektuellen Bankrott konstatieren. Aber das Gerede geht ja weiter. Im Wirtschaftsleben nennt man das Insolvenzverschleppung. Es ist ein Straftatbestand. Im freien Geistesleben gibt es das natürlich nicht. Da kann man auch den radical chic von vorgestern noch anbieten.”

Übrigens sind es tatsächlich nur Herren, um die es geht. (more…)

Teersandforschung: Helmholtz-Gemeinschaft beendet kanadische Kooperation

21. März 2013, von Lili Fuhr, Comments (0)

Die kanadische Umweltbewegung hat diese Woche einen kleinen Sieg gegen die Teersandlobby gewonnen: Vier Einrichtungen der Helmholtz-Gemeinschaft haben ihre Kooperation mit der Universität von Alberta in Kanada beendet, bei der es um die Erforschung von neuen Verfahren zur Reinigung von durch Teersandabbau verschmutztes Wasser und Böden geht. Die Begründung: Die katastrophale kanadische Klima- und Energiepolitik sei ein Reputationsrisiko für die deutsche Wissenschaft (tagesspiegel, euractiv).

Da kanadische und europäische NGOs seit Jahren versuchen, das Saubermann-Image Kanada als Fassade zu entlarven und dabei auf heftigsten Lobby-Widerstand der kanadischen Regierung stoßen (die unter anderem darum besorgt ist, dass ihr Teersandöl demnächst nicht mehr auf den europäischen Markt darf aufgrund schärferer Standards), ist das ein kleiner, aber entscheidender Triumph. (more…)

PwC und das 2°C-Ziel

13. November 2012, von Lili Fuhr, Comments (1)

Ein aktueller Bericht von PricewaterhouseCoopers (PwC) mit dem Titel “Too late for two degrees?” (Low  carbon economy index 2012) wird gerade heiß diskutiert in der Klimacommunity. Die Debatte dreht sich vor allem um die Frage, ob die klimawissenschaftlichen Daten richtig präsentiert sind und ob die politische Message stimmt. Nachlesen kann man diese Debatte zum Beispiel bei den Klimarettern, bei Grist oder bei Climate Progress. Definitiv alles wichtige Fragen und bestimmt auch belebend für die Diskussion darum, wie wir die Emissionen tatsächlich runter bekommen. Allerdings fällt mir beim Lesen des Reports vor alle folgende Botschaft auf: Atomenergie und CCS seien wichtige Technologien für eine CO2-arme Wirtschaft. Sie werden in einem Satz mit erneuerbaren Energienaufgezählt und gleichermaßen als Lösung angeführt.

Da fragt man sich doch, ob PwC ggf. besondere Interessen hat, was die Verbreitung dieser Technologien angeht. Eine definitive Antwort auf diese Frage würde eine längere Recherche erfordern. Aber bereits ein kurzer Blick ins Internet ergibt zwei interessante Informationen:

- PwC hat gemeinsam mit der Coal Association of Canada einen Bericht herausgegeben, der den ökonomischen und sozialen Mehrwert der Kohleproduktion in Kanada lobt. Diese Studie erschien nur wenige Tage vo dem Low Carbon Economy Index. Klimawandel kommt darin nicht vor.

- PwC UK bietet der Atomindustrie besondere Beratungsdienste an, um mitzuhalten bei den “anderen grünen Technologien”.

Die Botschaft von PwC, dass das 2°C-Ziel angesichts aktueller politischer und ökonomischer Entwicklungen in sehr weiter Ferne liegt und wir uns ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen müssen, was das für unser Handeln heute bedeutet, teile ich voll und ganz. (more…)

Klimawandel und Extremwetterereignisse

6. September 2012, von Lili Fuhr, Comments (5)

Eigentlich schon fast keine Neuigkeit mehr im Sommerloch: Die Minusrekorde der arktischen Eisschmelze. Neu sind allerdings Erkenntnisse der Klimawissenschaft, die sich immer mehr mit den Fragen von Wechselwirkungen zwischen dem Schmelzen am Pol und Extremwetterlagen in anderen Weltteilen beschäftigt. Einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung gibt hier ein Bericht auf Spektrum.de.

Und Oxfam hat eine aktuelle Studie herausgegeben, die der Frage nachgeht, inwieweit Extremwetterereignisse sich in Zukunft auf Nahrungsmittelpreise auswirken werden. Bekannt sind bereits die Vorhersagen über Auswirkungen von langfristigen Temperaturanstiegen und Niederschlagsveränderungen auf die Nahrungsmittelproduktion. Aber wenig beachtet war bisher eben die Bedeutung von plötzlichen Ereignissen wie Dürren oder Überschwemmungen in den Hauptexportregionen für Mais, Weizen und Reis. (more…)

Plan B im Klimaschutz – Methan und Ruß bekämpfen statt Kohlendioxid?

13. Januar 2012, von Lili Fuhr, Comments (5)

Ein Plan B ist immer gut, wenn Plan A scheitern kann. Aber manchmal ist Plan A auch einfach zu anstrengend und Plan B dagegen viel angenehmer. Plan A in der Klimapolitik ist ein globales rechtlich verbindliches ambitioniertes und faires Abkommen, um gefährlichen Klimawandel zu verhindern. Ob die Weltgemeinschaft dem in Durban einen Schritt näher gekommen ist, darüber kann man streiten. Aber zumindest wird weiter daran gearbeitet und es kann noch gelingen – allerdings kaum rechtzeitig, da bis 2020 wenig geschehen wird. (Eine genauere Analyse des Ergebnisses der COP 17 in Durban gibt es hier.).

Spiegel Online titelt heute, dass Forscher ganz einfache Wege gefunden haben, um den Klimawandel zu begrenzen, eine Art Abkürzung zum Ziel, da die Klimaverhandlungen  in Durban ja mal wieder gescheitert seien. Es geht um einen aktuellen Artikel in der Zeitschrift Science, in dem ein Team von Forscher/innen eine Vielzahl von Methoden geprüft hat und zum Schluss kommt, dass es am effektivsten sei, sich auf die Reduzierung von Methan- und Rußemissionen zu konzentrieren. Damit könnte bis 2050 die Erwärmung um 0,5 °C reduziert werden. Außerdem erhöht das die Luftqualität – ein toller Nebeneffekt.

Warum um alles in der Welt verplempern wir also immer noch unsere Zeit mit der schwierigen Frage, wie der CO2-Ausstoß zu reduzieren sei und stecken so viel Energie, Zeit, Ressourcen und Flugemissionen in einen internationalen Verhandlungsprozess, der fast aussichtslos erscheint? Warum nicht Plan A aufgeben und gleich alle Energie in die Umsetzung von Plan B stecken?

Dafür gibt es viele und sehr wichtige Argumente. (more…)

“Climategate 2″?

23. November 2011, von Lili Fuhr, Comments (2)

Kurz vor dem Klimagipfel in Kopenhagen  – also genau vor zwei Jahren – wurde die Klimawissenschaft von einem Skandal erschüttert, der inzwischen als “Climategate” in die Geschichte eingegangen ist. Hacker hatten tausende von Emails vom Server der Climate Research Unit der Universität von East Anglia veröffentlicht, aus denen angeblich hervorging, dass die Klimawissenschaft die Öffentlichkeit vorsetzlich täuschen würde. Obwohl die betroffenen Wissenschaftler/innen in fast allen Punkten entlastet wurden war diese perfide Strategie der Klimaskeptiker sehr erfolgreich dabei, Zweifel zu säen, wenn Entschlossenheit am meisten gebraucht wurde (siehe Rückblick nach einem Jahr von Stefan Rahmstorf)

So ist es bestimmt kein Zweifel,  dass nun genau zwei Jahre später – kurz vor dem Klimagipfel in Durban, Südafrika – weitere Emails (vermutlich 2009 eroberte und zurückgehaltene) veröffentlich werden, um den gleichen Effekt zu erreichen (aktueller Bericht des Guardian).

Wen kümmert’s noch?

19. September 2011, von Lili Fuhr, Comments (0)

Eigentlich sollte ich mich freuen, wenn die Financial Times einen Artikel zum Thema Klimapolitik veröffentlicht, oder? Vor allem, da es sich in Zeiten von Eurokrise und Schuldenfalle geradezu um eine Rarität handelt. Aber der Artikel “Climate change: who cares anymore?” von Simon Kuper hinterlässt doch einen sehr bitteren Beigeschmack. Kuper zitiert das “Eiserne Gesetz” des Wissenschaftlers Roger Pielke: “When policies focused on economic growth confront policies focused on emissions reductions, it is economic growth that will win out every time.”
Und natürlich hat er Recht: Eigentlich ist es für das Klima egal, wer als nächstes Präsident der USA werden wird. Die USA wird unter keinem neuen Präsidenten in den nächsten 10 Jahren einem international rechtlichen Abkommen zustimmen. Die reichen Industrieländer tun allesamt nicht genug und hinter dem politischen Unwillen steckt auch die Sicherheit, dass man sich mit genügend Geld jederzeit die notwendige Anpassung an Klimafolgen leisten kann. Das ist bitter, wahr und wichtig. (more…)

US-Wahlkampf: Rick Perry glaubt nicht an den Klimawandel

18. August 2011, von Arne Jungjohann, Comments (1)

Texas Gouverneur Rick Perry

Rick Perry- Liebling der Tea Party

Im Wahlkampf der Republikaner ist ein neuer Kandidat aufgetaucht, der gute Chancen hat, sich durchzusetzen. Rick Perry ist Gouverneur von Texas und fällt vor allem dadurch auf, dass er den Klimawandel herunterspielt. Seinen Wahlkampf lässt er sich von der fossilen Lobby finanzieren.

(more…)

Frauen sind klüger und bescheidener als Männer – auch im Themenfeld Klimawandel

16. September 2010, von Lili Fuhr, Comments (6)

Eigentlich wussten wir es ja schon immer: Frauen sind das klügere Geschlecht und bescheiden dazu. Männer dagegen meinen nur, sie wüssten mehr. Für das Themenfeld Klimawandel ist das nun wissenschaftlich belegt: Frauen sind besser über klimawissenschaftliche Fakten informiert und nehmen die Gefahr auch ernster als Männer. Männer wiederum wissen zwar weniger, beurteilen aber ihr eigenes Wissen höher und machen sich grundsätzlich weniger Sorgen (schöne Tabelle dazu auf Climateprogress).

Das gibt mir in mehrfacher Hinsicht zu Denken:

  1. Die politische Entscheidungsmacht in den meisten Ländern der Welt liegt zu einem großen Teil in männlicher Hand. Das erklärt natürlich, warum erstens die Politik nichts kapiert, zweitens meint, immer die richtigen Lösungen parat zu haben und drittens davon ausgeht, dass doch alles halb so schlimm ist.
  2. Frauen sind – und auch das ist wissenschaftlich belegt – anders und vor allem auch stärker von den Folgen des Klimawandels betroffen als Männer. Das gilt besonders für Frauen in ländlichen Regionen im Süden, die unter Dürre, Feuerholzmangel, Ernteausfällen und Überschwemmungen besonders zu leiden haben. (more…)

Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

Anti-Kohle-Kette 23.08.2014

degrowth conference Leipzig 2014

Fleischatlas 2014

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