Kohle ohne Zukunft

James HansenDr. James Hansen ist so etwas wie der Doyen der amerikanischen Klimawandelforschung. Er ist seit 1981 Director des NASA Goddard Institute for Space Studies und seit 1985 Adjunct Professor an der Columbia University. Am 26. April diesen Jahres sprach er in einer Anhörung des US Repräsentantenhauses (Text hier).

Von der Ausbildung her Mathematiker und Physiker, legt er – eher ungewöhnlich für seine Zunft – die vornehme Zurückhaltung ab und mischt sich mit deutlichen Worten in die öffentliche Diskussion ein.

Eine seiner wichtigsten Botschaften: Kohle hat keine Zukunft – zumindest solange es nicht gelingt, das bei ihrer Verbrennung entstehende CO2 vollständig und sicher zu lagern. Daher brauchen wir jetzt ein Moratorium für neue Kohlekraftwerke, zuerst in USA und Europa, dann läßt sich das auch Ländern wie Indien und China vermitteln.

Kraftwerk Neurath. Foto hAdamskySein Argument: In den leicht zugänglichen fossilen Lagerstätten von Öl und Gas ist schon so viel Kohlenstoff enthalten, dass diese Mengen allein den noch verbleibenden Spielraum für weitere Emissionen aufbrauchen werden. Öl und Gas sind aber ökonomisch so attraktiv als hochkonzentrierte Brennstoffe für den Transportsektor und ihre Lagerstätten so stark in nicht-westlichen Ländern konzentriert, dass man davon ausgehen müsse, dass diese Mengen wohl früher oder später auf jeden Fall in der Atmosphäre landen – selbst wenn wir (wofür er plädiert) hier im entwickelten Norden den Verbrauch strecken.

Entscheidend sei, dass der Kohlenstoff, der im unkonventionellen Öl (Ölschiefer und Ölsande) und vor allem in Kohle stecke, in der Erdkruste gebunden bleibe. Dafür müsse jetzt ein Moratorium für Kohlekraftwerke her – solange das CO2 nicht sicher abgetrennt und gelagert wird. Und diese Option ist für die jetzige Neubauwelle in Deutschland irrelevant.

Interessant: Was Umweltverbände und Grüne schon lange forderten, kommt nun auch in der CDU an: Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Mappus fordert ein Verbot der Errichtung neuer Kohlekraftwerke. „Angesichts der Verpflichtung, die drohende Klimakatastrophe zu verhindern, wäre jedes zusätzliche Kohlekraftwerk «glatter Irrsinn», sagte Mappus am Freitag in Stuttgart„. Natürlich hat er da eine andere Option als wir: Er will die Laufzeitverlängerung für seine AKWs im Ländle (und anderswo).

Wobei so ein Verbot von Kohlekraftwerken ja gar nicht notwendig wäre, hätte nicht seine im Bund regierende Partei bei der Vergabe der Emissionsrechte im nationalen Allokationsplan des Emissionshandels die Kohle so schamlos begünstigt. Dann würde sich ein Kohlekraftwerk kaum rechnen, erst recht nicht bei 100% Auktionierung der Emissionsrechte. Erst subventionieren, und dann verbieten: Sieht so eine konsistente Politik aus?

Demonstration Stopp StaudingerDie Bürger sind jedenfalls schon weiter: Laut einer Umfrage des BUND sind zwei Drittel der Bundesbürger dafür, dass die Bundesregierung aus Klimaschutzgründen den Bau neuer Kohlekraftwerke verhindern sollte. Auch die Details sind interessant: Die Grünen-Anhänger sind hier am eindeutigsten positioniert, gefolgt von den FDP-Wählern. Die Linke scheint einen hohen Anteil von Kohlegegnern zu haben, aber auch den höchsten Anteil der Kohlefreunde (und keine Unentschiedenen). Wohingegen die SPD-Anhänger am unentschiedensten wirken.

Was heisst das strategisch? Eine Mobilisierung gegen den Neubau von Kohlekraftwerken würde auf eine breite Unterstützung in der Bevölkerung bauen können. Die Keimzellen existieren schon vielerorts.

Die Chance ist da: Wir müssen nur wollen!

Nachtrag: Aus einer dpa-Meldung zu CDU-Mappus: „Der Fraktionsvize der Landtags-Grünen, Franz Untersteller, begrüßte die «Einsicht» von Mappus. «Jetzt erwarten wir aber, dass er gemeinsam mit uns versucht, den von der EnBW geplanten neuen Kohleblock in Karlsruhe zu verhindern.» Außerdem solle sich Mappus zusammen mit den Grünen dafür einsetzen, einen möglichst großen Anteil alter Kohlekraftwerke durch erneuerbare Energien oder Gaskraftwerke zu ersetzen. Acht Kohlekraftwerke im Südwesten seien älter als 40 Jahre, sagte Untersteller.“


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