Mühsamer Kraftakt: AKW-Neubau in den USA genehmigt « Klima der Gerechtigkeit

Mühsamer Kraftakt: AKW-Neubau in den USA genehmigt

10. Februar 2012, von

Puuuhh... Ganz schön anstregend für die Atomlobby...

In den USA ist nach mehr als 30 Jahren wieder der Bau neuer Atomreaktoren genehmigt worden. Wann oder ob überhaupt das AKW ans Netz geht, ist offen. Dass die US-Atombehörde den Bau gerade jetzt genehmigt, ist ein handfester Skandal.

USA: Renaissance der Atomkraft titelt der Focus, ähnlich wie die FTD, Spiegel Online und andere Zeitungen. Heute sei „ein historischer Tag“, so der Präsident des Nuclear Energy Institute, der US-Atomlobby .

Falsch. Das Urteil ist irreführend. Von einer Renaissance der Atomkraft in den USA kann weit und breit keine Rede sein. Was wir diese Tage sehen, ist der Zwischenschritt eines mühsamen Kraftaktes der Atomindustrie, der Milliarden an Subventionen von Steuerzahlern (Bürgschaft über mehr als 8 Mrd. USD) und Gebühren von Stromkunden verschlingt.

Heute wurde von der Nationalen Atombehörde NRC nur der Antrag auf den Bau des Atomkraftwerkes in Georgia genehmigt. Es wird noch lange dauern, bis das AKW ans Netz geht, wenn überhaupt: Schon häufiger wurden in den USA Spatenstiche für neue AKWs gefeiert, die schließlich nie zu Ende gebaut wurden, wie die Anti-Atomorganisation Beyond Nuclear erinnert.

Der Skandal an dieser der Entscheidung ist, dass die Atombehörde den Antrag gerade jetzt durch gewunken hat. Denn nach dem Reaktorunfall in Fukushima wurde die NRC damit beauftragt, die Sicherheitsstandards von Alt- und Neuanlagen zu überprüfen und ggf. zu verschärfen. Das ist noch immer nicht geschehen. Organisationen wie der Natural Ressource Defense Council (NRDC) weisen zu Recht darauf hin, dass eine Reihe von Sicherheitsstandards endlich an die neusten Erkenntnisse angepasst werden müssen. Dazu gehören die mangelhafte Notstromversorgung vieler AKWs, der drohende Austritt von Wasserstoff, die bislang unberücksichtigte Erdbebengefahr in manchen Gebieten und die vielfach übervollen Abklingbecken alter Brennstäbe.

Doch was macht die Atombehörde? Sie prüft noch immer. Es ist deshalb unverantwortlich, den Bau zu genehmigen. Pikant an der Entscheidung ist, dass sie gegen den Willen des Kommissionsvorsitzenden fiel – der übrigens kein Atomkraft-Gegner ist. Greg Jaczko erklärt, dass er nicht so tun könne, als ob es Fukushima nie gegeben hätte:

“I cannot support these licenses as if Fukushima never happened,” Chairman Gregory Jaczko said after the 4-1 vote today at NRC headquarters in Rockville, Maryland. Jaczko said he couldn’t support the licenses without a binding agreement that Atlanta-based Southern and its partners would operate the new reactors with safety enhancements meant to prevent the partial meltdowns that occurred at Fukushima. (Bloomberg)

Zwar wurde der Vorsitzende überstimmt. Doch sein Urteil lässt grundsätzliche Zweifel an der Genehmigung aufkommen. Aufgrund der offenen Fragen nach den Sicherheitsstandards haben mehrere Gruppen bereits angekündigt, gegen die Erteilung der Genehmigung zu klagen. Sie argumentieren, dass die Atombehörde wichtige Konsequenzen – wie die Notstromversorgung im Falle einer Naturkatastrophe – aus dem Unfall in Fukushima ignorieren würde.

Meine Meinung ist: Statt neue Atomkraftwerke zu bauen, die viel zu teuer und gefährlich sind, sollten die alten AKWs in den USA eingemottet werden- auch wenn die Mehrheit der Amerikaner bislang gegen einen Atomausstieg ist. Das wäre besser, um die Energiewende hin zu erneuerbaren Energien und Energieeffizienz zu beschleunigen, den Klimawandel zu bekämpfen und mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Auch wenn AKw’s manchmal ganz knuffig daher kommen, wie in diesem Werbeclip des englischen ÖkostromanbietersEcotricity:

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Foto von Rob van Hilten unter CC BY-NC-SA 2.0.

 

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5 Kommentare

  1. Alle 104 US-Atomkraftwerke sind älter als 30 Jahre, einige um die 50 Jahre.
    Und man hat ja die Absicht bekundet, die uralten Meiler bis zu 60 Jahren laufen zu lassen.
    Ein Schlaraffenland für die Betreiber. Nach dem Abschreibungszeitraum sind die Dinger die reinsten Cashcows.
    Aber bei einem so alten Bestand wächst natürlich das “Restrisiko” beträchtlich.
    Nicht nur wegen der Materialermüdung, sondern in erster Line wegen einer ganz anderen Ursache.
    Mit der notwendigen Erneuerung von Teilkomponenten der alten KKW ergibt sich ein Flickenteppich von unterschiedlichen technischen Standards und unterschiedlichen Softwareniveaus der Steuerung der Komponenten verschidensten Alters innerhalb einer einzelnen Anlage.
    Diese diversen Schnittstellen der unterschiedlichsten Softwarestandards bilden ein erhebliches Störpotenzial.
    60 Jahre Laufzeit sind ein Hasardspiel.

    Ich denke, es werden bestimmt weitere KKW in den USA gebaut. Der Energiehunger ist dermaßen groß und das Ende des derzeitigen Pushs der einheimischen Öl- und Gasförderung durch Shale Gas und Shale Oil sowie Tiefseeöl ist spätestens für die 20er Jahre abzusehen.
    Also wird man der Öffentlichkeit neue KKWs als Notwendigkeit der nationalen Sicherheit verkaufen.
    Und mit “nationaler Sicherheit” wurde bisher immer noch jede Schweinerei gerechtfertigt.

    Übrigens: für den Abriss der KKW und die Deponierung der beim Abriss anfallenden Materialien werden etwa 4 Milliarden EURO (!) für 1000 MW installierter Leistung angesetzt.
    Die Kosten der Endlagerung der beim Betrieb anfallenden hoch- und mittelradioaktiven Abfälle sind darin noch nicht enthalten.
    Dann werden aus privatwirtschaftlcihen Cashcows ganz schnell gesamtgesellschaftliche Kostenlawinen.
    Auf Frankreich kommen dann, verteilt auf etwa 4 Jahrezehnte Abrisskosten von ca. 240 Milliarden Euro plus Endlagerkosten für eine 240000 jährige Endlagerung zu.
    Auf die USA etwa 40% höhere Kosten, als die von Frankreich.
    So viel zum Thema “Atomstrom ist ja sooo billig”.

  2. Das war ja abzusehen: auch unser großes , westliches Nachbarland wird seine alten Meiler noch deutlich länger laufen. Ganz im Sinne von TINA (there is no alterntive).

    Oder in der Sprache des Landes:
    Il n’y a pas d’alternative.

    http://www.handelsblatt.com/politik/international/energiepolitik-frankreich-verlaengert-akw-laufzeiten/6200340.html

  3. O.T.,
    aber trotzdem interessant:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/studie-der-eu-kommission-biokraftstoff-schadet-klima-11647158.html#Drucken

    Eigentlich konnte man es sich schon ohne Studie der EU-Kommission denken, insbesondere was Palmöl angeht.
    Und zusätzliche Bodenbeanspruchungen durch Ausweitung der Ackerfläche, Biodiversitätsrückgänge, zusätzliche Erosion usw. sind ja in der Studie garnicht thematisiert. Das kommt als negative Begleiterscheinung dazu.

  4. Mir fällt leider nicht mehr ein, wo ich eine Berechnung der ermittelten Kosten für den AKW-Neubau gelesen habe. Bei 11 cent pro erzeugte kWh (ohne Entsorgungskosten)ist Atomstrom nicht wirklich billig.

  5. Hallo Andy,
    wie gesagt, die Baukosten einer Anlage sind ja nur ein Teil der Kosten.
    Die Abbruchkosten und Deponiekosten für das Abbruchmaterial sind nur wenig niedriger, als die Baukosten der Anlagen.
    Und die Endlagerkosten insbesondere für die hochradioaktiven Abfälle für einen Zeitraum von 10 Halbwertzeiten von PU239, also für 241000 Jahre, sind völlig unklkulierbar und dürften kumulativ astronomisch sein.
    Alle Folgekosten eingerechnet dürfte die Kernkarft die teuerste Energie sein, deren sich die Menscheit jemals bedient hat.
    Nur rechnen wir die Kosten nicht mit, die sich nicht betriebswirtschaftlich sondern volkswirtschaftlich ergeben.
    Und die zukünftig zu tragenden Kosten rechnen wir schon garnicht mit rein.
    Genau so, wie wir die (leider unkalkulierbaren) Folgekosten des Klimawandels nicht in die Energiekosten reinrechnen, die sich aus der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas ergeben.

    Wir stellen eine “Nach-uns-die-Sintflut-Kalkulation” auf. Nur deshalb können wir uns unseres derzeitigen Lebensstils erfreuen.
    Bei Berücksichtigung aller volkswirtschaftlichen und zukünftigen Kosten wäre Energie nämlich eine solch teure Kostbarkeit, dass wir sie uns in annähernd heutigem Ausmaß überhaupt nicht leisten könnten.

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