Geo-Engineering « Klima der Gerechtigkeit

Artikel getagged mit ‘Geo-Engineering’

Kanada und Großbritannien gewinnen den Dodo Award

18. Oktober 2012, Comments (5)

Im indischen Hyderabad tagen seit dem 9. Oktober die Vertragsstaaten der UN Konvention über biologische Vielfalt, CBD. Es ist ihre 11. COP . Von dort berichtet Thomas Fatheuer.

“The Dodo and the Guinea Pig” (1760). Stich von George Edwards (1694-1773), englischer Naturforscher.

Der nach dem ausgerotteten Vogel Dodo benannte Preis zeichnet die Länder mit der schlechtesten Performance während der Biodiversitätskonferenz aus. Kanada gibt sich auch in Indien viel Mühe, am neuen Image als Schurkenstaat zu arbeiten. Wo immer es darum geht, Positionen zu verteidigen, die Umweltverbände und NGOs missbilligen, ist Kanada vorneweg. So stellte sich das Land gegen eine Diskussion um die Auswirkungen der Produktion von Agrotreibstoffen („biofules“) auf den Anbau von Nahrungsmitteln. „Bei der CBD geht es nicht um Nahrung“ erklärte der Vertreter Kanadas.

Bemerkenswert ist die Begründung für den Dodo Award, (more…)

Bald Millionen für Geo-Engineering dank “Virgin Earth Challenge”?

6. Mai 2012, von Georg Koessler, Comments (8)

Am 9. Februar 2007 hat der Milliardär Richard Branson zusammen mit Al Gor die “Virgin Earth Challenge” ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um einen Wettbewerb, bei dem 25 Millionen US-Dollar an den- oder diejenige gehen, welche es schafft, in großem Stile und wirtschaftlich CO2 aus der Atmosphäre wieder heraus zu holen. Hintergrund ist die steigende Unsicherheit, ob wir nicht vielleicht schon zu spät sind mit dem Klimaschutz und ihn nicht nur stoppen, sondern umkehren müssen.

“The Virgin Earth Challenge is US$25 million for whoever can demonstrate to the judges’ satisfaction a commercially viable design which results in the net removal of anthropogenic, atmospheric greenhouse gases so as to contribute materially to the stability of the Earth’s climate system.”

Die Juroren dieses Wettbewerbes sind neben Branson und Gore selbst so einflussreiche Personen wie der NASA-Experte James Hansen (“Entdecker” des Klimawandels in den 1980ern) oder James Lovelock (Erfinder der Gaia-Theorie, Entdecker der gefährlichen FCKW-Gase aber auch Atomenergiefan). Nun wurden aus >10.000 Projekten 11 in die engere Auswahl genommen – darunter auch Geo-Engineering Projekte. Hier eine kurze Übersicht der Weltrettungspläne:

(more…)

Biodiversitätskonvention definiert Geo-Engineering

12. April 2012, von Georg Koessler, Comments (0)

Vom 30. April bis 5. Mai 2012 trifft sich im kanadischen Montreal die technische Arbeitsgruppe der UN Biodiversitätskonvention CBD (Mitglied sind fast alle Staaten der Welt, außer die USA und der Südsudan). Hierfür legte das Sekretariat nun einen Entwurf über eine Resolution zum Thema Geo-Engineering vor. Ich bin noch nicht ganz durch das Dokument gekommen, aber finde es schon beachtlich, wie die CBD wieder voran geht. So gab es in Nagoya 2010 bereits ein de facto Moratorium für Geo-Engineering, welches aber noch offen für CCS-ähnliche Techniken gehalten wurde (also für all jene Konzepte, welche CO2 in global relevantem Maßstab abscheiden und irgendwo speichern wollen). Mit der nun vorliegenden und hoffentlich auf der CBD zu Jahresende dann beschlossenen Definition würde sich das Moratorium auch auf diese Technologien ausdehnen.

Climate-related Geoengineering: a deliberate intervention in the planetary environment of a nature and scale intended to counteract anthropogenic climate change and/or its impacts through, inter alia, solar radiation management or removing greenhouse gases from the atmosphere.

Weitere Kernbotschaften sind wie folgt:

  • Es gibt keine endgültige Weisheit bei der Definition von Geo-Engineering.
  • Es bedarf zu allererst globaler, transparenter und effektiver Kontrollen und Regularien für Geo-Engineering Konzepte mit potenziell grenzüberschreitenden Auswirkungen.
  • Jeder Staat ist selbst gefragt darauf Acht zu geben, dass sein Handeln keine negativen Umwelteffekte auf andere Staaten hat.
  • Es existieren bereits eine Vielzahl internationaler Abkommen und Konventionen, welche für die meisten Technologien relevant sind.
  • Das Vorsorgeprinzip ist relevant aber rechtlich noch nicht klar definiert.
  • Kleine, kontrollierte, wissenschaftlich gerechtfertigte Experimente sind nach vorhergehender Umweltauswirkungsprüfung zulässig.

Doch erstmal müssen sich die Fachleute einigen, dann muss es im Oktober in Hyderbad von den Vertragsstaaten beschlossen werden. Dort steht das Thema aber noch nicht einmal auf der Tagesordnung.

BMBF befasst sich mit Geo-Engineering

6. Oktober 2011, von Georg Koessler, Comments (2)

Bild vom BMBF-Studie (Link: http://gruenlink.de/3sw)

Bild vom BMBF-Studie (Link: http://gruenlink.de/3sw)

Hinweis für unsere Leser/innen: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat unter der Leitung von Annette Schavan, vielen eher aus den negativen Schlagzeilen rund um die Bildungsproteste bekannt, eine Studie zum Thema “Geo-Engineering” beim Kiel Earth Institutin Auftrag gegeben. Dabei wurden verschiedene Forschungsgruppen koordiniert und am Ende kam der Bericht “Gezielte Eingriffe in das Klima? Eine Bestandsaufnahme der Debatte zu Climate Engineering” (pdf) heraus. Verschiedene Medien, u.a. die TAZ berichteten heute bereits. Daher auch hier Berhard Pötter, der gut zusammenfasst:

“Auf 180 Seiten hat das Ministerium Dutzende von Wissenschaftlern die umstrittenen Theorien bewerten lassen, mit denen der Klimawandel gebremst werden soll, ohne dabei die Emissionen von Treibhausgasen senken zu müssen. Nicht nur Klimawissenschaftler und Ozeanografen, sondern auch Ökonomen, Juristen und Sozialforscher [...] Ihr Fazit: Es gebe “kein risikofreies Climate-Engineering” (more…)

Pat Mooney sagt „BANG“ zu Geo-Engineering und Nanotechnologie

19. Oktober 2010, von Georg Koessler, Comments (1)

Kürzlich hat Pat Mooney, Träger des Alternativen Nobelpreises 1985 und Chef der ETC Group in Ottawa (hier ihr letzter Bericht), sein neues Buch beim Oekom Verlag in Berlin vorgestellt. Hierbei geht es um den „Kleinen Bang“. Anders als der „Big Bang Theorie“ vom Urknall dreht sich diese Theorie um „Bits, Atome, Neutronen und Gene – BANG“ und darum, wie Physik, Chemie und Biologie auf der winzigen Nanoebene verschmelzen und sich ein neuer technologischer Fortschritt ausbreitet. Mooney ist als Experte für Gen- und Nanotechnologie bestens vertraut mit den Parallelen und Unterschieden dieser beiden Risikotechnologien. Doch als Linker Vordenker geht er noch einen Schritt weiter und sieht die aufziehende Gefahr einer (weiteren) Verschmelzung von Konzern- und Regierungsinteressen bzw. –machenschaften. Sein Buch beschreibt mehrere Geschichten (u.a. das pessimistische „China Sundown“) und weist dann alternative Szenarien auf und zeigt den Weg zu diesen. Daraus werden Handlungsanweisungen für die Zivilgesellschaft abgeleitet. Alle voran die „3 R’s“: Rights, Resistance, Resiliance. Denn wir haben das Recht „nein“ zu sagen zu Herrschaften, Prozessen und Technologien. Wir als Zivilgesellschaft müssen (more…)

Klimaanpassung auf kasachisch

9. September 2010, Comments (0)

Den Wunsch mit großartigen technischen Ideen auf der Erde Gott zu spielen, hatte die Menschheit schon immer. Zur Zeit sind Vorschläge zum Geoengineering ganz groß in Mode um den Klimawandel aufzuhalten (siehe auch hier und hier im Blog).

Ein anderer, besonders absurder Ansatz stammte aus der Sowjetunion unter Chruschtschow: Flüsse rückwärts fließen lassen, damit sie die Steppen Zentralasiens zum Blühen bringen.
Der Plan wurde 1986 wegen ökonomischer Unsinnigkeit begraben.
Jetzt hat der kasachische Präsident Nasarbajew, unter dem Eindruck einer verschärften Wasserknappheit durch den Klimawandel, die Idee wieder aufgegriffen.

Lesen Sie dazu den Russland-Blog von Jens Siegert, dem Leiter des Büros der Heinrich-Böll-Stiftung in Moskau:

„Untote Ideen leben länger: Flüsseumkehr als russisch-kasachische Klimaadaptation“

Photo von Svetlana Makarova auf flickr.com, unter der Creative Commons-Lizenz BY-SA

Geo-Engineering als Lösung?

29. April 2009, von Georg Koessler, Comments (4)

Das US-Magazin NEWSWEEK hat mit einer Titelstory letzte Woche eine neue „Lösung” groß aufgeworfen, von der wir in Deutschland bisher dachten sie gehöre in die Welt von „Star Trek” und „Matrix”: Geo-Engineering, die Rekonstruktion der Naturverhältnisse.

Konkret soll das natürliche Phänomen bei Vulkanausbrüchen des massiven Schwefeldioxidausstoßes simuliert werden. Dieser führt nämlich zu verstärkter Reflektion der Sonnenstrahlen in der Atmosphäre und somit zu einer Kühlung der Erde. Auch wenn dies gut klingt sind damit doch Gefahren verbunden: Das Risiko ungeahnter Nebeneffekte und der Abzug politischer und finanzieller Ressourcen von anderen Klimaschutzprojekten. „People are not going to make hard sacrifices to combat global warming if they get the impression that a quick enineering trick can erase the threat.” schreibt NEWSWEEK, wohl wissend, dass ihre Coverstory genau diese Folge haben könnte. (more…)

Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

Anti-Kohle-Kette 23.08.2014

degrowth conference Leipzig 2014

Fleischatlas 2014

Letzte Kommentare

  • Fabio: Tolle Seite. Weiter so.
  • Hans-Hermann Hirschelmann: Von den UN auf deren derzeitigen Entwicklungsstand zu verlangen, sie möge doch bitteschön...
  • Fabian Flues: Hallo André, interessanterweise geht es ja bei der FQD gar nicht um das amerikanische Exportverbot für...
  • Andre: Ich würde das strategischer sehen, im Moment haben die USA einen Exportverbot für Petroleum und Gas. Aufgrund...
  • M.E.: Es ist schon eigenartig: Länder, die man zumindest in Teilen als die hot spots von Klimaveränderungen...

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