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Plastik heizt das Klima an

Gestern ging sie nun also los, die UN-Klimakonferenz in Glasgow, kurz COP26. Begleitet von Protesten und großer Sorge von den Ländern des Globalen Südens, die fürchten, dass die  Zusagen des G20-Gipfels in Rom bei weitem nicht ausreichend und verbindlich genug sind.

Auf die Bedeutung der fossilen Rohstoffe Öl, Gas und Kohle und die merkwürdige Auslassung dieser im Pariser Klimaabkommen hatten wir im vorangegangenen Blog-Artikel ja schon hingewiesen.

Lautes Schweigen herrscht auch in Bezug auf die petrochemische Industrie und ihren Verbrauch von größtenteils in den USA durch Fracking gewonnenem Erdgas. Das deutsche Bündnis „Wege aus der Plastikkrise“ weist in einem Briefing Paper pünktlich zum Beginn der COP auf die Rolle Petrochemie und Plastikindustrie als Mittreiber der globalen Erhitzung hin:

Bereits heute ist der petrochemische Sektor der größte industrielle Verbraucher von Kohlenwasserstoffen. 14 Prozent des weltweiten Ölverbrauchs (wobei Ethan, als sogenanntes „Nass-Gas“, in der Statistik mit enthalten ist) und 8 Prozent des globalen Gasverbrauchs (also Methan, als sogenanntes „Trocken-Gas“) verschlingt die Industrie bereits jährlich – hauptsächlich für Plastikverpackung und Kunstdünger.

Diese Entwicklung wird sich nach Einschätzung der Internationalen Energiebehörde IEA noch verstärken, bis 2026 wird der die petrochemischen Industrie 70% der weltweiten Produktion der Gase Ethan, Propan, Butan und Naphtha verbrauchen. Sie ist damit ein wichtiger Treiber der weiteren Förderung von fossilem Erdgas.

Plastik wird aus Ehtylen hergestellt, das wiederum aus dem Gas Ethan gewonnen wird. Der Boom der Gewinnung von Ethan durch Fracking und die hohe Nachfrage führt nach Schäztungen deer IEA zu Wachstumsraten von bis zu 70 Prozent bis 2030 für den Ethanmarkt und löst Milliardeninvestitionen für petrochemische Anlagen aus. Die Förderung von Gas durch Fracking ist verbunden mit hohen Emissionen des klimaschädlichen Gases Methan, wie wissenschaftlichen Studien belegen. Die Autor*innen schreiben:

Berechnungen zufolge ist gefracktes Gas für mehr als die Hälfte des globalen Anstiegs der Emissionen aus fossilen Brennstoffen sowie für etwa ein Drittel des Anstiegs aus allen Quellen in den letzten zehn Jahre verantwortlich.

Beim Import des gefrackten Gases und der Produktion von Plastik wird die Verbindung nach Europa und sogar nach Schottland, wo die Klimakonferenz stattfindet, deutlich: Die britische Unternehmensgruppe Ineos importiert bereits über Schottland (Grangemouth) und Norwegen (Rafnes) Flüssiggas aus den USA. Weitere Anlagen zur Lagerung und petrochemischen Weiterverarbeitung sind in Antwerpen und Köln geplant. Ein Rückzug aus der klimaschädlichen Produktion von immer mehr Grundstoffen zu Herstellung von Plastik ist nicht in Sicht.

Plastik emittiert in seinem gesamten Lebenszyklus klimaschädliche Gase. Es ist also allerhöchste Zeit, die petrochemische Industrie aus ihrer stillen Business-as-Usual-Ecke zu holen und ihren Beitrag zum Klimaschutz einzufordern.

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