Klima der Gerechtigkeit

Energiewende als Familienunternehmen (4)

25. Mai 2013, von , Comments (0)

Gastbeitrag von Karl Tack (siehe auch “Energiewende als Familienunternehmen” 1-3)

Liebe Lili,

gerne nehme ich mir die Zeit, auf Deine Statements zu antworten. Bisher ist unsere Diskussion doch sehr spannend. Ein Dialog zwischen Wirtschaft und Klimaschützern kann doch nicht verkehrt sein. Zu oft wird dieser nicht geführt.

Ich werde versuchen, auch diesmal wieder auf die Argumente einzugehen. In Deinem ersten Absatz befürwortest Du öffentliche und im Gemeinwohlinteresse durchgeführte Kampagnen. Einverstanden. Aber wer definiert das Gemeinwohlinteresse? Und welche Kampagne meinst Du zum Beispiel? Ich kenne kaum ein Beispiel, wo es nicht auch Gegenstimmen gäbe, die sich für ihre Sicht des Gemeinwohls einsetzen. Wer entscheidet, was Gemeinwohl ist? Ich habe keinerlei Verständnis dafür, dass unter Missachtung der politischen Willensbildung in demokratisch legitimierten Gremien selbsternannte Gutmenschen darüber entscheiden, was im Interesse der Gesellschaft und des Einzelnen ist. (weiterlesen …)

Zur Debatte um die UBA-Broschüre “Und sie erwärmt sich doch”

24. Mai 2013, von , Comments (0)

Da es selten vorkommt, dass ich mich über einen Artikel der Klimaretter aufrege, will ich doch gleich die Gelegenheit nutzen, dies hier in Blogform zu tun: Die Debatten um die UBA-Broschüre “Und sie erwärmt sich doch” kochen ja auf vielen Medienkanälen gerade ziemlich hoch (z.B. bei heute, Welt oder Spiegel Online). Aber eben auch bei Klimaretter.info. Und da gibt es zwei sehr unterschiedliche Sichtweisen auf die Frage, ob das UBA bekannte Klimaskeptiker in Deutschland namentlich nennen darf.

Laura-Sophie Schulz und Susanne Ehlerding sagen nein und schreiben: “Grundsätzlich aber sind Kritiker als Stachel im Fleisch wichtig. Sie bewahren vor einer Selbstzufriedenheit, die schädlich für den schwierigen Erkenntisprozess in der komplexen Klimawissenschaft wäre.” Verena Kern dagegen sagt ja und schreibt: “Die Herren dürfen meinen, was sie wollen – niemand schränkt sie darin ein. Das Umweltbundesamt weist in seiner Broschüre lediglich darauf hin, dass sie falsche Informationen über den Stand der Wissenschaften verbreiten – das hat nichts mit Meinung zu tun. Im Übrigen greifen Klima”skeptiker” oft zu extrem schrillen Worten, werfen Wissenschaftlern sirenenhaft Lüge, Betrug und Verschwörung vor. Liebe Leute, wer austeilt, sollte auch mal einstecken können.”

Um mal einen meiner anderen Onkel zu zitieren, Ekhardt Fuhr, der vor vielen Jahren in der Welt (!) schrieb: “Wenn man sich daran erinnert, mit welchen Behauptungen und Thesen sie [die Klimaskeptiker] in diese Debatten gegangen sind – bewaffneter Demokratie-Export, Brachialreform der Sozialsysteme, Leugnung des von Menschen verursachten Klimawandels – dann müsste man heute eigentlich ihren intellektuellen Bankrott konstatieren. Aber das Gerede geht ja weiter. Im Wirtschaftsleben nennt man das Insolvenzverschleppung. Es ist ein Straftatbestand. Im freien Geistesleben gibt es das natürlich nicht. Da kann man auch den radical chic von vorgestern noch anbieten.”

Übrigens sind es tatsächlich nur Herren, um die es geht. (weiterlesen …)

“Geldregen in Gasland”

24. Mai 2013, von , Comments (0)

Eine der sehr erfolgreichen Strategien der fossilen und der rechten Lobby in den USA war es in den vergangenen Jahren, sich über großzügige Spenden ins amerikanische Bildungssystem einzukaufen und damit auch die Gunst der Wählerinnen und Wähler zu erwerben. Ähnliches versuchen wohl jetzt die großen Gaskonzerne in den potentiellen und zukünftigen Standorten für Schiefergasförderung in Deutschland (NDR). Ein Spendenatlas “Geldregen in GasLand” führt die Informationen zusammen.

Energiewende als Familienunternehmen (3)

23. Mai 2013, von , Kommentare (2)

Lieber Karl,

herzlichen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast, auf meinen Beitrag ausführlich zu antworten! Aber einige Punkte kann ich so nicht stehen lassen und möchte noch einmal eine andere Sicht dazu formulieren:

Schuldzuweisungen und Diffamierung: Meine Intention war es nicht, die Familienunternehmen mit der fossilen Lobby gleichzustellen, sondern genau darauf hinzuweisen, dass Ihr Euch doch aufgrund Eurer ganz anderen Interessen und Stärken anders positionieren müsstet, und Verwunderung darüber, warum Ihr Euch in bestimmten entscheidenden Punkten hinter die Interessen der Großkonzerne stellt. Im Übrigen gibt es meiner Meinung nach einen wichtigen Unterschied zwischen einer im öffentlichen und Gemeinwohlinteresse betriebenen zivilgesellschaftlichen Kampagne und der politischen Einflussnahme durch machtvolle privatwirtschaftliche Akteure mit Profitinteresse.

Carbon Leakage: Im aktuellen Carbon Market 2013 Outlook von Point Carbon geben nur 5 % der befragten Firmen an, dass sie aufgrund der CO2-Preise bereits Produktion ins Ausland verlagert haben. Das sind sehr geringe Zahlen – was man gar nicht glauben mag, wenn man das mit der Medienkampagne vergleicht, die dazu von Unternehmensseite betrieben wird (zu den Zahlen siehe auch hier).

Zu den Zielen der Energiewende: Ich glaube, da hast Du einen ganz wunden Punkt gefunden. In der Tat ist es problematisch, wenn wir uns hier nicht einig sind. Welche Probleme sich ergeben können, wenn das Ziel eines politischen Instruments oder einer Maßnahme nicht eindeutig formuliert ist, können wir ja auch aus der aktuellen Krise des europäischen Emissionshandels lesen. (weiterlesen …)

Energiewende als Familienunternehmen (2)

22. Mai 2013, von , Comments (1)

Gastbeitrag: Eine Antwort meines Onkels Karl Tack auf meinen unten stehenden Beitrag “Energiewende als Familienternehmen”

Liebe Lili,

zuallererst möchte ich mich für die Möglichkeit bedanken, Dir hier in Deinem Blog zu antworten. Denn bei allen Kontroversen, die in der Energiepolitik und auch zwischen unseren Ansichten vorhanden sind, ist es ja immer wichtig, dass man miteinander redet. Wenn dieser Austausch von Argumenten durch einen solchen Blog auch noch in die Öffentlichkeit kommt, dann ist das umso besser.

Was ich allerdings nicht möchte, ist hier Schuldzuweisungen auszutauschen, wer welche Studie und Kampagne fährt. Ich denke, da nehmen sich die verschiedenen Akteure nicht viel.

DIE FAMILIENUNTERNEHMER – soviel sei hier gesagt – sind allerdings keinem „Lager“ wirklich zuzuordnen. Wir haben zwar einen durchaus großen Anteil industrieller Stromverbraucher, aber eben auch sehr viele Firmen, die Profiteure der Energiewende sind. Daher wehre ich mich auch dagegen, mit großen Energieversorgern, der Öl-Lobby oder Anderen in einen Topf geworfen zu werden. Wir FAMILIENUNTERNEHMER haben unsere eigene Sicht der Dinge. Und wir wollen eben kein „weiter so“, sondern den Erfolg der Energiewende. Uns aber zu unterstellen, wir, die für Wettbewerb stehen wie kaum ein zweiter Verband, würden die Monopolisten der Vergangenheit unterstützen, ist schlicht nicht fair und unsachlich. Auch wenn wir eine andere Meinung haben als die Böll-Stiftung, so muss diese nicht diffamiert werden.

Wir wollen die Energiewende, wir wollen den Abschied von der Atomenergie und wir unterstützen auch den Klimaschutz. Wir sind auch für mehr Wettbewerb auf dem Sektor der Energieerzeugung.

Aber dazu ist es aus unserer Sicht eben nicht ratsam, an einem Instrument festzuhalten, welches Jahr für Jahr mehr Probleme schafft. Und es ist ebenso unsinnig, die deutsche Industrie immer mehr in die Enge zu treiben. Bitte vergiss nicht: Unsere Industrie ist schon wahnsinnig effizient. Für den Klimaschutz, der nun einmal ein globales Problem ist, nützt es wenig, wenn andernorts eine „Dreckschleuder“ errichtet wird, weil in Deutschland die Produktion schlicht nicht mehr möglich ist. Und solche Fälle gibt es.

Und eine weitere Frage stellt sich: Was sind genau die Ziele der Energiewende? Denn diese Frage und ihre Beantwortung scheint für mich eine der wesentlichen Gründe für unsere Meinungsverschiedenheiten zu sein. (weiterlesen …)

Energiewende als Familienunternehmen

20. Mai 2013, von , Comments (0)

Eine Replik auf den Gastbeitrag meines Onkels, Dr. Karl Tack, Geschäftsführender Gesellschafter des Familienunternehmenes Gebrüder Rhodius GmbH & Co.KG und Vorsitzender der energiepolitischen Kommission der Vereinigung Familienunternehmer ASU, in der Rheinzeitung 

Lieber Karl,

mit großem Interesse habe ich Deinen Gastbeitrag “Energiewende – Risiko und Chance für den Mittelstand” gelesen und bin sehr froh zu erfahren, dass die deutschen Familienunternehmen und der deutsche Mittelstand Atomausstieg und Energiewende als unumkehrbar bewerten. Das ist wichtig. Und es ist richtig, dass Ihr Euch in dieser Debatte laut und deutlich zu Wort meldet. Denn bei der Umsetzung der hehren politischen Ziele hakt es derzeit hier im Lande ganz gewaltig. Und hier wird es dann interessant – und hier haben wir dann auch sehr unterschiedliche Bewertungen über die Ursachen der derzeitigen Schieflage.

Du nennst das EEG “Droge und damit Gift  für die Energiewende”. Und mit dieser Auffassung bist du ja nicht alleine. Besonders prominent wurde dieses Argument in den letzten Jahren vor allem über die vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall (größte Mitglieder siehe hier) getragene Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vorgebracht, die mit ihrer Kampagne “EEG stoppen  – Energiewende machen!” gehörig zur aktuellen Verunsicherheit und zum Irrglauben in der Deutschen Öffentlichkeit beigetragen hat. (weiterlesen …)

Braunkohle in der Lausitz in 3D

17. Mai 2013, von , Comments (0)

LausitzKubikfoto über die Braunkohle in der Lausitz: Eine einzigartige, interaktive 3D-Erlebniswelt mit dröhnenden Kohlebaggern, rauchenden Kraftwerksschloten, stillen Geisterdörfern, verzauberten Urwäldern und betroffenen Menschen, die die Geschichte ihrer drohenden Vertreibung erzählen. Das alles für den Abbau der Braunkohle, die zu Kohlestrom verfeuert wird – in Zeiten der Energiewende in Deutschland… (Greenpeace)

Do the Math

16. Mai 2013, von , Comments (0)

Filmvorführungen auf der ganzen Welt heute, z.B. in Berlin.

Kohlekraftwerke lassen sich verbieten

14. Mai 2013, von , Kommentare (3)

… zumindest in der Theorie. Das belegt ein neues Rechtsgutachten, dass BUND und DUH in Auftrag gegeben haben. “Wie bei der Atomkraft geschehen, könne der Staat den Zubau neuer Kohlekraftwerke sogar verbieten. Die Politik könne auch bestimmte Effizienzkriterien bzw. CO2-Grenzwerte pro erzeugte Kilowattstunde vorgeben”, so die Autorin des Gutachtens, Dr. Roda Verheyen. “Angesichts neuer Flexibilitätsanforderungen, die konventionelle Kraftwerke inzwischen erfüllen müssten, um die Erzeugungslücken der fluktuierenden Erneuerbaren Energien aus Sonne und Wind auszugleichen, sei es auch möglich, entsprechende Standards festzuschreiben. Schließlich könnten der Bund bzw. betroffene Länder auch den Aufschluss neuer Braunkohletagebaue verbieten, um so den Bau neuer klimaschädlicher Braunkohlekraftwerke zu verhindern.”

Wichtig ist diese Nachricht vor allem für alle die Kraftwerke und Projekte, die bereits vor dem Atomausstiegsbeschluss geplant und genehmigt wurden. Dass der Bau neuer konventioneller Kohlekraftwerke in Deutschland über diese hinaus relativ unwahrscheinlich ist, belegt eine aktuelle Studie für das britische Umweltministerium, die sich mit der Situation in Deutschland, den Niederlanden und Spanien befasst.

Es ist schon interessant zu sehen, dass der Preisverfall beim Europäischen Emissionshandel und die Niederlage der Reformabstimmung im Europäischen Parlament so viel Energie und Ideen zur Entwicklung von Alternativen freisetzt. (weiterlesen …)

Deutscher Holzunternehmer für Verbrechen in der DRC angeklagt

26. April 2013, von , Comments (0)

Das ist mehr als erwähnenswert: Ein Deutscher Manager  ist der Beihilfe (durch Unterlassen) zur Vergewaltigung, gefährlichen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Brandstiftung in der Demokratischen Republik Kongo (DRC) angeklagt. Es handelt sich um den für das Afrika Geschäft des deutsch-schweizerischen Holzhandels­unternehmens Danzer Group zuständigen Olof von Gagern. Die Anklage bei der Tübinger Staatsanwaltschaft erhob das European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) gemeinsam mit der britischen NGO Global Witness (Die Zeit, ECCHR, Global Witness). Aber was macht diese Nachricht auf unserem Blog?

ECCHR erläutert den Tathergang so:

Am frühen Morgen des 2. Mai 2011 überfiel ein Einsatzkommando von Sicherheitskräften ein Dorf im Norden der Demokratischen Republik Kongo. Die Polizei- und Militärkräfte misshandelten und vergewaltigten Bewohner und Bewohnerinnen des Dorfes und nahmen 16 Personen fest. Dabei nutzen die Sicherheitskräfte Fahrzeuge des Holzunternehmens Siforco S.A.R.L. – eines Tochterunternehmens der deutsch-schweizerischen Danzer Group. Das Unternehmen stellte nicht nur Fahrzeuge und Fahrer zur Verfügung, sondern bezahlte Einsatzkräfte für ihren Einsatz. (weiterlesen …)

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
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Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.
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Georg Kössler schreibt über Klima- und Energiepolitik. Er lebt in in Berlin-Neukölln und hat kein Auto.

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