Klima der Gerechtigkeit

Doch keine Öl- und Gasbohrungen in der Arktis

20. Januar 2015, von , Comments (0)

Die norwegische Ölfirma Statoil, die französische GDF Suez und die dänische Dong haben zu Jahresbeginn 2015 ihre Lizenzen zur Öl- und Gasbohrungen in der Arktis zurückgegeben (taz). Shell und Cairn Energy behalten zwar die Lizenzen, wollen aber erstmal nicht weiter bohren. Als Begründung geben die Konzerne die hohen Kosten an – vor allem im Vergleich zu anderen Lagerstätten. Nur am billigen Ölpreis kann das aber nicht liegen, meinen Experten, denn die Planungshorizonte solcher Investitionen gehen ja über mehr als ein paar Jahre hinaus. Vielleicht liegt es schon eher an der Analyse, dass die fossilen Reserven in der Arktis definitiv “unburnable carbon” sind, wenn wir es mit Klimaschutz noch halbwegs ernst meinen.

Ein weiterer kleiner Sieg im Kampf gegen die fossile Lobby ist der Rückzug der spanischen Ölfirma von den geplanten Offshore-Bohrungen vor den kanarischen Inseln (NY Times). Vielleicht haben die Konzerne ja doch langsam verstanden, wohin der Hase läuft?

Ölfirmen bleiben Ölfirmen

19. Januar 2015, von , Comments (0)

[…] we came to the conclusion that it was impossible for today’s oil and gas majors to adapt in a timely and intelligent way to the imperative of radical decarbonisation.

Das schreibt Jonathan Porritt, einer der führenden Umweltschützer in Großbritannien, in einem aktuellen Beitrag für den Guardian. Seine Organisation, Forum for the Future, hat über Jahre mit großen Ölfirmen zusammengearbeitet, um sie darin zu unterstützen, aus dem fossilen Geschäft aus- und in erneuerbare Energien einzusteigen. Porrits Fazit: Ölfirmen bleiben Ölfirmen. Nun hat das Forum for the Future seine Partnerschaften mit Shell und BP weitestgehend gekündigt (more…)

Welche Öl-, Gas- und Kohlereserven müssen wo unter der Erde bleiben?

8. Januar 2015, von , Comments (0)

“[…] globally, a third of oil reserves, half of gas reserves and over 80 per cent of current coal reserves should remain unused from 2010 to 2050 in order to meet the target of 2 °C. […] development of resources in the Arctic and any increase in unconventional oil production are incommensurate with efforts to limit average global warming to 2 °C”

Klarer kann man es eigentlich nicht sagen und so steht es in der aktuellen Ausgabe von “Nature”. Paul Ekins und Christophe McGlade vom Institut for Sustainable Resources am University College London (UCL) haben dort aktuelle Ergebnisse ihrer Recherche publiziert, in der sie untersucht haben, wieviele der vorhandenen fossilen Rohstoffe im Boden bleiben müssen, um das 2-Grad-Ziel zu halten. Außerdem haben sie auch untersucht, um welche Öl-, Gas- und Kohlereserven es sich genau handelt, d.h. wo sie liegen: Der größte Teil der Kohlereserven in China, Russland und den USA darf nicht verbrannt werden sowie große Teile der Ölreserven im Nahen und Mittleren Osten (etwa so viel wie die gesamten Ölreserven Saudi Arabiens). Der Nahe Osten muss zudem mehr als 60 % seiner Gasreserven unangetastet lassen. Unkonventionelles Öl (Teersande oder Schieferöl) darf gar nicht gefördert werden. Die Arktis ist tabu. (more…)

2015 – das große Jahr internationaler Zusammenarbeit: aber schauen wir auf die richtigen Themen und Foren?

6. Januar 2015, von , Comments (1)

2015 ist ein wichtiges Jahr für die internationale Zusammenarbeit. Darin sind sich alle einig. Aber die Liste der Themen und Events, die dann jeweils aufgezählt werden, variiert je nach Akteur/in und Kontext dann doch. Zwei Gipfel tauchen in fast allen Listen auf: der Klimagipfel Ende des Jahres in Paris und der Gipfel zur Verabschiedung der Sustainable Development Goals (SGDs) im September in New York.

Weit weniger häufig aufgezählt wird der 20. Jahrestag der Weltfrauenkonferenz von Peking 1995. Auf verschiedenen Listen tauchen dann noch auf: Überarbeitung des im Monterrey Consensus von 2002 festgeschriebenen Rahmens zur Entwicklungsfinanzierung, Reform des Systems öffentlicher Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) und das ‘Post-2015 Framework for Disaster Risk Reduction’ (‘Hyogo Framework‘ – schon mal gehört?). Und dann gibt es natürlich noch die üblichen G7-Gipfel (diesmal in Deutschland) und G20-Gipfel (diesmal in der Türkei).

Nicht in diesen Listen stehen die zahlreichen Verhandlungsrunden bilateraler und / oder regionaler Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP, TPP, RCEP, TiSA, CETA… wer kennt alle diese Abkürzungen und weiß, was dahinter steckt?). Ilana Solomon vom Sierra Club in den USA hat einen interessanten und sehr lesenswerten (!) Rückblick 2014 geschrieben, wie solche Abkommen sich ganz konkret auf die Klima- und Energiepolitik auswirken. (more…)

Die Lima-Lethargie

18. Dezember 2014, von , Comments (0)

Das Schlussdokument der 20. Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention (COP 20) mit dem Titel „Lima Call for Climate Action“ ist kein Weckruf, sondern ein Alarmzeichen für einen mauen multilateralen Klimaprozess, der unter politischer Taubheit leidet sowie arme und gefährdete Gemeinschaften mit den Auswirkungen des Klimawandels allein lässt.

von Lili Fuhr (Heinrich-Böll-Stiftung, Berlin), Maureen Santos (Heinrich-Böll-Stiftung, Rio de Janeiro), Liane Schalatek (Heinrich-Böll-Stiftung, Washington)

Der Klimagipfel in Lima ging am Sonntag, dem 14. Dezember, in den frühen Morgenstunden zu Ende. Nach zwei langen Verhandlungswochen verabschiedeten die Delegierten schließlich die sehr abgeschwächte und verwässerte Willenserklärung, den 2011 in Durban gestarteten Verhandlungsprozess für ein ein neues Abkommen ab 2020 fortzusetzen. Das Schlussdokument erhielt den hochtrabenden und irreführenden Titel „Lima Call for Climate Action“ und ist keineswegs als Erfolg, sondern vielmehr als ein sehr enttäuschendes Ergebnis zu bezeichnen.

Die Klimakonferenz in Lima wurde nicht einmal den ohnehinschon niedrigen Erwartungen gerecht. Eine unheilige Allianz von politischen und wirtschaftlichen Eliten aus Industrie- und Entwicklungsländern scheint zu glauben, dass einige – zu wenige und zu späte – magere freiwillige Zusagen ausreichen, ein Weiter-wie-bisher zu überwinden. Dabei trägt ihr Verhalten eher dazu bei, den Istzustand noch zu verfestigen.

Während die Rechte der Konzerne gestärkt und ihre Rolle und Sichtbarkeit in den Verhandlungen immer weiter zunimmt, unternahm die Lima-Konferenz so gut wie gar nichts für die Förderung von Menschenrechten, vor allem nichts für die Gleichstellung der Geschlechter und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen. Das steht nicht nur im krassen Gegensatz zu den realen Auswirkungen des Klimawandels in den einzelnen Weltregionen, sondern auch zu der wachsenden Zahl von Bürger/innen, sozialen Bewegungen und Organisationen, die überall, von New York bis Lima, auf die Straße gehen, um wirklichen Klimaschutz und vor allem Klimagerechtigkeit zu fordern.

Statt den Fortschritt zu beschleunigen und höhere Ziele zu stecken, droht das dürftige Ergebnis von Lima, die UN-Klimaverhandlungen auf dem Weg zur Klimakonferenz im nächsten Jahr in Paris in ein Zeitlupentempo und einen Zustand der Lethargie zu versetzen. In Paris soll von den Regierungen ein neues globales Klimaschutzabkommen unterzeichnet werden. Mit dem „Lima Call for Climate Action“, der die Sprachlosigkeit der (Nicht-)Entscheidungsträger/innen spiegelt, ist die Zukunft der internationalen Klimapolitik auf besorgniserregende Weise ungewiss. (more…)

Etwas wird sichtbar? Märkte als Mosaik und Patchwork für ein neues Klimaregime

17. Dezember 2014, von , Comments (0)

Thomas Fatheuer hat auf der Lima COP einige Zeit auf Events der Internationalen Emissions Trading Association (IETA) und anderer Marktenthusiasten verbracht, um zu ergründen, welche Erwartungen “die Märkte” signalisieren. Hier seine Spurensicherung.

In Lima war nicht zu übersehen, dass die Stimmung der Marktenthusiasten sich in diesem Jahr verbessert hatte. Was ist geschehen? Im September 2014 hat die Weltbank im Rahmen der “Climate Leadership in Action” ein Manifest (Statement heißt es offiziell) mit dem Titel “Putting a Price on Carbon” lanciert. Carbon Pricing, das macht das Dokument deutlich, wird zum Schlüssel für alle Strategien: “Pricing carbon is inevitable” und hat folgendes Ziel: “to redirect investment commensurate with the scale of climate change”.
Das Manifest ist von Ländern und Unternehmen unterschrieben worden, die über 50% des weltweiten Bruttosozialprodukts repräsentieren. Darunter befinden sich z.B. Deutschland, die Deutsche Bank und Shell, nicht aber die USA und Australien. Dennoch wird das Manifest als Durchbruch bewertet: “The Momentum is growing”. Oder wie Rachel Kyte, die für Klimafragen verantwortliche Vizepräsidentin der Weltbank, es in Lima formulierte: ”Es ist keine Frage mehr von ob, sondern von wann und wie.” CO2-Bepreisung ist das Kernelement eines Diskurses, der in Lima überall bemerkbar war.
Nun dürfte allen Beobachter/innen des Verhandlungsprozesses klar sein, dass in Paris kein globaler Emissionshandel verabschiedet wird, der tatsächlich „carbon pricing“ in das Zentrum des Klimaprozesses stellen würde. Macht nichts, so die Befürworter/innen. Deren Hoffnung beruht auf der wachsenden Zahl von regionalen CO2- Emissionshandelssystemen. (more…)

“The Lima Languishing” – der “Lima Call for Climate Action” ist kein Weckruf, sondern ein Schlafgesang für den internationalen Klimaprozess

17. Dezember 2014, von , Comments (0)

COP 20 LimaMeine beiden Kolleginnen, Liane Schalatek aus Washington und Maureen Santos aus Rio de Janeiro, und ich haben eine gemeinsame Analyse des Ergebnisses der Klimakonferenz in Lima verfasst. Aktuell steht sie auf Englisch zur Verfügung und in Kürze auch auf Deutsch. Hier schon einmal vorab auf Englisch:

It finally ended in the early morning hours of Sunday December 14th. After two long weeks of negotiations delegations at the COP 20 in Lima adopted a very watered down and streamlined final decision on further advancing the Durban platform for a new agreement by 2020, daringly mislabeled the “Lima Call for Climate Action”. This is an underwhelming outcome, not a success. The Lima climate conference did not deliver even though expectations were low from the start. An unholy alliance of political and corporate elites both in developed and developing countries seems to believe that some meager voluntary pledges – too little too late – are enough to move beyond business-as-usual, but their actions only serve to cement it further. While strengthening the rights of corporations and increasing their role and visibility in the negotiations, the Lima conference did next to nothing to support human rights, particularly gender equality and the rights of indigenous peoples. This is not only in sharp contrast to the realities of climate change impacts on the ground but also to the growing number of ordinary people, social movements and organizations taking the streets from New York to Lima demanding real climate action and most of all: climate justice. Rather than accelerating progress and ambition, the paltry outcome of COP 20 risks putting the UN climate negotiations into slow-motion and inertia on the road to the Paris climate conference next year when governments are expected to sign a new global agreement. The future of international climate politics remains disconcertingly uncertain with the Lima Call for Climate Action resembling nothing more than the “sound of silence” of (non-)decision-makers. Mehr…

Klimakonferenz in Lima geht in den Endspurt

12. Dezember 2014, von , Kommentare (2)

Die Klimaverhandlungen in Lima gehen in den Endspurt. Bereits jetzt ist abzusehen, dass die Konferenz nicht wie geplant heute abend enden wird. Das ist erstmal ein Zeichen dafür, dass den Verhandlungsdelegationen die Zeit wegrennt. Aber kaum ein Gipfel in den letzten Jahren wurde tatsächlich wie geplant Freitagabend zu Ende gebracht.

Ein Teilerfolg für Lima wäre es ja schon, wenn sich die Regierungen bis heute abend oder eben morgen auf einen klaren Fahrplan bis Dezember nächsten Jahres einigen würden. Denn dann soll ja ein verbindliches globales Klimaabkommen unterzeichnet werde, das nach 2020 in Kraft tritt. Doch genau hier hakt es noch gewaltig. Strittig ist vor allem die Frage, welches Format und welchen Inhalt die jeweiligen nationalen Beiträge (INDCs) für das Pariser Abkommen annehmen sollen. Wenn es hier keine Einigung gibt, dann bekommen wir ein buntes Sammelsurium an nationalen Zielen und Beiträgen und haben keine Möglichkeit, diese Beiträge hinsichtlich ihrer Inhalte und gerechten Verteilung zu vergleichen oder gar zu bewerten. (more…)

Unternehmen wollen gerne mitverhandeln beim globalen Klima-Deal

11. Dezember 2014, von , Comments (0)

Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Verhandlungen in Lima für ein global verbindliches Klimaabkommen 2015 in Paris in die richtige Richtung bewegen (wenn auch im Schneckentempo) ist dieser Artikel aus der Financial Times: Die großen Unternehmen wollen gerne mitverhandeln. Es reicht ihnen nicht mehr, dass sie massenhaft Subventionen bekommen, öffentliche Politik mit geballter Lobbymacht kaufen, in den Ministerien und Regierungsdelegationen sitzen und für ihre Greenwashing-Initiativen auch noch gelobt werden. So langsam wird es ernst und sie bekommen es mit der Angst zu tun. Denn letztlich steht ihr Business Modell zur Disposition. (more…)

Menschenrechtstag bei der UN-Klimakonferenz in Lima

10. Dezember 2014, von , Comments (0)

Über 200 Organisationen haben einen Appell unterzeichnet, die Einhaltung und den Schutz von Menschenrechten fest im Pariser Abkommen zu verankern. Sie unterstützen wiederum den offenen Brief, den die Sonderberichterstatter/innen der UN im Oktober an die Mitgliedsregierungen der Klimarahmenkonvention geschickt haben.

Und neben dem großen “Climate March” (erwartet werden ca. 15.000 Personen für die größte Klimademonstration Lateinamerikas) gibt es heute zahlreiche Veranstaltungen und Side Events zum Thema Menschenrechte und Klimawandel.

Heute treffen sich übrigens – passend zum Thema Menschenrechte – in Lima die Vertreter/innen der Yasuní-Initiative mit den deutschen MdBs, denen die ecuadorianische Regierung letzte Woche die Einreise nach Ecuador verweigert hatte.

 

Autorin

Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.

Deutsche Klimafinanzierung

Resource Politics for a Fair Future

Bodenatlas 2015

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  • M.E.: http://www.spiegel.de/wissensc haft/natur/klima-wieviel-kohle -erdgas-und-erdoel-darf-noc...
  • M.E.: http://www.spiegel.de/wissensc haft/natur/un-klimakonferenz-w as-bedeutet-peru-fuer-paris-20 15-a-1008410.html
  • M.E.: Interessant ist es ja schon, dass die Emissionsmengenanstiege sich insbesondere seit der Zeit drastisch...
  • Jörg Haas: Grüße zurück nach Lima – alles Gute dort!
  • Lili Fuhr: Lieber Jörg, ich stimme Dir zu, dass CCS quantitativ und realistisch nur ein kleines Schlupfloch ist. Aber...

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