Auf der Website www.deutscheklimafinanzierung.de legen Heinrich-Böll-Stiftung, Brot für die Welt, Germanwatch und Oxfam Deutschland anlässlich der Klimaverhandlungen in Bonn eine Zwischenbilanz der Deutschen Klimafinanzierung vor. Die Botschaft: Die Finanzierungshilfen des BMU sind zu wenig auf die ärmsten Länder ausgerichtet und stellen zu wenig Mittel für Anpassung bereit. Über die Projekte des BMZ liegen nach wie vor nicht genügend Daten vor, um eine Bewertung vorzunehmen.
Zum Weltbankbericht “Inclusive Green Growth”
Wenige Wochen vor der Rio2012-Konferenz ist das Thema Grüne Ökonomie in aller Munde. Umfassende Berichte haben bisher vor allem UNEP und die OECD vorgelegt. Nun ist der lang erwartete Bericht der Weltbank da mit dem Titel “Inclusive Green Growth”. Doch auch wenn sich die Weltbank in die anderen Berichte einreiht und behauptet, die würden alle die gleiche Botschaft haben, so gibt es zwischen ihnen doch erhebliche Unterschiede. Nicht zuletzt den, dass UNEP von “Grüner Ökonomie” und die OECD und Weltbank von “Grünem Wachstum” sprechen. Eine Analyse der verschiedenen Konzepte hat Barbara Unmüßig hier vorgenommen.
Hier soll es nun konkret um ein paar Anmerkungen, Überlegungen und Bewertungen zum aktuellen Weltbankbericht gehen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, wer die Hauptzielgruppe des Reports ist: Es geht um die Regierungen der Entwicklungsländer und ihre Berater/innen, die davon ausgehen, dass arme Entwicklungsländer zunächst einmal das Recht auf Entwicklung haben, egal, wie CO2- und ressourcenintensiv diese ist, und sich nur die reichen Länder eine Grüne Ökonomie leisten können. Diesem Irrglauben mit klaren Argumenten, Zahlen und vielen positiven Beispielen entgegenzutreten, ist ein wichtiger Beitrag zur aktuellen Debatte.
In diesem Kontext z.B. verbuche ich positiv, dass sich die Weltbank intensiv mit der Frage auseinandersetzt, wie in Entwicklungsländern Subventionen für fossile Energie abgebaut werden können, ohne die Armen zu belasten und zu sozialen Verwerfungen und Konflikten beizutragen (beispielsweise durch plötzlich ansteigende Nahrungsmittelpreise, die vom Öl-/ Benzinpreis abhängig sind). (weiterlesen …)
“Sustainable Energy for All” – Aber für wen genau? Welche Art von Energie? Und um welchen Preis?
2012 ist das UN Jahr für “Sustainable Energy for All” – also nachhaltiger Energie für alle. Die Frage von Zugang zu sauberer Energie ist in der Tat eine zentrale Entwicklungsfrage und steht zu Recht hoch auf der politischen Agenda. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon hat hierfür eine “High-Level Group” ins Leben gerufen, die nun gerade ihre “Global Action Agenda” vorgelegt hat und damit Empfehlungen für Investitionen in 11 Schlüsselbereichen vorgibt. Der Grundgedanke ist, dass es möglich sein soll, entlang einer gemeinsamen Vision durch ein hochrangiges Gremium öffentliche und private Akteure zu vernetzen, um die notwendigen Finanzen zu mobilisieren.
Die gemeinsame Vision besteht dabei aus drei Zielen, die bis 2030 erreicht werden sollen:
- Universeller Zugang zu modernen Energiedienstleistungen;
- Verdopplung der globalen Energieeffizienzsteigerungsrate;
- Verdopplung des Anteils Erneuerbarer Energien am globalen Energiemix.
Und hier liegt jetzt auch schon das Grundproblem: Diese Ziele sind gerade lächerlich, wenn wir noch ernsthaft versuchen wollen, den Klimawandel auf 2 °C zu begrenzen. Die Internationale Energieagentur (IEA) beziffert den Anteil Erneuerbarer Energien am globalen Energiemix im November 2011 auf 13 % und geht bis 2035 von einer Steigerung auf 18 % aus. Sollen wir jetzt ernsthaft bejubeln, dass wir dieses Ziel auf 26 % bis 2013 anheben? (weiterlesen …)
Progressive Allianz folgt Einladung der EU
Nur wenige Monate ist es her, dass sich im südafrikanischen Durban eine kleine Weltrevolution in Sachen politischer Allianzen ereignete: Die EU, die ärmsten Entwicklungsländer und die kleinen Inselstaaten stellten sich geschlossen gegen die großen Emittenten – und darunter eben auch die großen Schwellenländer. Damit gelang ihnen nicht nur die Durchsetzung einer zweiten Verpflichtungsperiode für das Kyoto-Protokoll. Sie erreichten auch, dass schließlich alle Länder zustimmten, bis 2015 ein neues globales Abkommen zu verhandeln, das ab 2020 in Kraft tritt.
Leider dürfen wir angesichts dieser (geo)politischen Revolution nicht vergessen, dass wir mit dieser Zeitschiene – und dem Nichtvorhandensein konkreter und ambitionierter Reduktionsziele bis 2020 – gefährlichen Klimawandel nicht stoppen werden. Ein Peak der globalen Emissionen in den kommenden Jahren, wie ihn die Klimawissenschat fordert, gelingt mit diesem Programm nicht.
Und doch ist in Durban Entscheidendes gelungen: Den lähmenden Verhandlungen, in denen sich stets jeder hinter jedem versteckt hält und keiner den ersten Schritt wagen will, stellt sich nun eine Allianz von “progressiven” Staaten entgegen, die inzwischen über die enge Durban-Allianz hinausgeht.
Auf die Einladung der EU zu einem “Informal Ministerial Roundtable for Ambitious Follow-up to Durban – Accelerated Climate Actions” folgten hochrangige Vertreterinnen und Vertreter von ca. 30 Staaten, darunter Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Dänemark, Südafrika und Katar (Gastgeber des nächsten Klimagipfels). (weiterlesen …)
Club of Rome mit neuem Bericht: “2052″
Nach dem wegweisendem Report “Limits of Growth” des Club of Rome vor genau 40 Jahren erscheint nun mit “2052: A Global Forecast for the Next Forty Years” ein neuer Bericht der internationalen “Vereinigung von Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Kultur, Wirtschaft und Politik aus allen Regionen unserer Erde” (Selbstdarstellung des Club of Rome).
Der Zukunftsforscher Jorgen Randers sammelte dafür Beiträge führender Wissenschaftler, Ökonomen und Zukunftsforscher verschiedener Fachbereiche. Der Bericht prüft dabei, inwiefern die bestehenden Visionen einer besseren, nachhaltigen Welt rechtzeitig umgesetzt werden können. Ist der Klimawandel noch zu bremsen? Wie kann der Bevölkerungsanstieg kompensiert werden? Welche Staaten werden Gewinner, welche Verlierer sein? Wie steht es um den derzeitigen Glauben in das alte Wachstumsmodell und wie wird China sich weiter verändern und verhalten? Mit verschiedenen Modellarten werden hier mögliche Zukunftsszenarien entworfen. U.a. kommt Randers zum Schluss, dass die Menschheit zu langsam reagiert, China die USA ablösen wird, auch in 2052 noch 3 Mrd. Menschen arm sein werden und das Wirtschaftswachstum weniger stark sein wird als bisher gedacht. Deshalb müssen alle langfristiger denken. Neben diesen “Neuigkeiten” wird auch ein ziemlich genauer Temperaturanstieg von +2,8°C bis 2080 vorhergesagt. (Wird der IPCC jetzt arbeitslos?)
Das erinnert stark an den Bestseller von 1972, doch damals schaffte es dieser “nur”, Aufmerksamkeit auf die Grenzen des Wachstums zu lenken – nicht das Handeln zu verändern. Generell halte ich den Einfluss von solchen Berichten für sehr begrenzt: sie öffnen die Augen, aber nicht die Seelen. Was ist also das Novum an diesem Buch? Welcher neue Blickwinkel wird uns verraten oder wo liegt die neue schlechte Nachricht? Haben wir nicht schon so viele schlechte (und auch gute) Nachrichten im Zusammenhang mit Klima und Nachhaltigkeit in den letzten Jahren bekommen, dass einfach alles neue auf taube, zynische Ohren treffen muss? Ist das Zeitalter der großen Erzählungen nicht vorbei? Haben die Modelle der Zukunftsforscher sich nicht das ein ums andere Mal als falsch oder nur bedingt Visionär entpuppt? Sollten wir nicht, statt auf Zukunftsmodelle zu warten, fragen, welche Zukunft wir wollen?
Bitte schreibt mir hier, wenn ihr einen Blick in das Buch geworfen habt und das ganze evtl. etwas enthusiastischer seht als ich.
Bald Millionen für Geo-Engineering dank “Virgin Earth Challenge”?
Am 9. Februar 2007 hat der Milliardär Richard Branson zusammen mit Al Gor die “Virgin Earth Challenge” ins Leben gerufen. Hierbei handelt es sich um einen Wettbewerb, bei dem 25 Millionen US-Dollar an den- oder diejenige gehen, welche es schafft, in großem Stile und wirtschaftlich CO2 aus der Atmosphäre wieder heraus zu holen. Hintergrund ist die steigende Unsicherheit, ob wir nicht vielleicht schon zu spät sind mit dem Klimaschutz und ihn nicht nur stoppen, sondern umkehren müssen.
“The Virgin Earth Challenge is US$25 million for whoever can demonstrate to the judges’ satisfaction a commercially viable design which results in the net removal of anthropogenic, atmospheric greenhouse gases so as to contribute materially to the stability of the Earth’s climate system.”
Die Juroren dieses Wettbewerbes sind neben Branson und Gore selbst so einflussreiche Personen wie der NASA-Experte James Hansen (“Entdecker” des Klimawandels in den 1980ern) oder James Lovelock (Erfinder der Gaia-Theorie, Entdecker der gefährlichen FCKW-Gase aber auch Atomenergiefan). Nun wurden aus >10.000 Projekten 11 in die engere Auswahl genommen – darunter auch Geo-Engineering Projekte. Hier eine kurze Übersicht der Weltrettungspläne:
Was wir in den letzten 20 Jahren doch erreicht haben…
Gegen den allgemeinen Frust, dass wir in den letzten zwanzig Jahren eigentlich keinen Schritt weitergekommen sind beim Umweltschutz und in der Klimapolitik hilft manchmal auch eine Besinnung auf das, was erreicht wurde. Sozusagen zu Motivationszwecken. Damit die Lage nicht so auswegslos erscheint. Hier eine kleine Dosis Hoffnung und Realismus von der Stop Climate Chaos Coalition aus Großbrittanien:
Apple und die Kohle
Strom aus Kohle für die Apple iCloud: Greenpeace macht es sichtbar und verständlich:
Mehr Infos zur Kampagne “Clean our Cloud” gibt es hier.
USA: Erneuerbarer Champion oder Klima-Loser?
Zuletzt habe ich von Obamas mauer Klimabilanz gebloggt. Jetzt kommt eine neue Studie zum Fazit, dass die USA weltweit führend sind beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Ja was denn nun?
Im jüngsten Report „Who is winning the Clean Energy Race?“ von Pew Charitable Trust besetzen die USA wieder den Spitzenplatz vor China und Deutschland, das vom zweiten auf den dritten Platz abgerutscht ist. Sie investierten in 2011 mehr als jedes andere Land in erneuerbare Energien. (weiterlesen …)
Technologie gegen Klimawandel
Ein Gastbeitrag von Ska Keller, Grüne Abgeordnete im Europaparlament, zu einem neuen Positionspapier der Europäischen Grünen
Der Klimawandel ist kaum noch aufzuhalten. Das 2-Grad-Ziel ist kaum noch zu erreichen. Höchste Zeit, die Anstrengungen zu verdoppeln. Die ohnehin schon armen Länder im globalen Süden sind vom Klimawandel am stärksten betroffen. In diesen Ländern sind es noch einmal die ärmsten Menschen, die am meisten unter ansteigenden Temperaturen, Wetterextremen, Versalzung der Böden, Bodenerosion und dergleichen leiden müssen. Hier sind Anpassungsmaßnahmen gefragt. Aber Entwicklungsländer können auch selbst etwas zur Verminderung des CO2-Ausstoßes tun, indem sie auf erneuerbare Energien setzen.
Anpassung und Erneuerbare Energien benötigen allerdings Technologien, die oft noch nicht in Entwicklungsländern verfügbar sind. Technologietransfer ist für diese beiden Aufgaben, aber auch für die Weiterentwicklung klimafreundlicher Technologien (davon schließe ich Atomkraft explizit aus) immens wichtig. Das wird auch international anerkannt und so unterstützen sowohl UNFCCC als auch sogar das TRIPS-Abkommen Technologietransfer. (weiterlesen …)




