Klima der Gerechtigkeit

Die Agrarlobby schlägt zurück

19. März 2013, von , Kommentare (2)

Die Wirkung des “Fleischatlas” ist unter anderem daran erkennbar, dass die  Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft nun aktuell “10 Gründe, Fleisch zu essen” veröffentlicht. Dass sich die Mitglieder der FNL (darunter der Deutsche Bauernverband, BASF, Dow Agroscience, Bayer CropScience, Syngenta, Monsanto Agrar Deutschland) gedrängt sehen, eine Gegenoffensive zu launchen, kann doch schon stolz machen, oder?

Meine Lieblingsargumente von denen lauten übrigens:

“Die Anzahl der Tiere ist nicht entscheidend für ihr Wohlergehen und für eine tiergerechte Haltung. Entscheidend sind andere Dinge: Die Möglichkeit, sich tiergerecht verhalten zu können, das Fehlen von Durst und Hunger sowie die Abwesenheit von Angst, Leiden oder Krankheiten.”

“Soja ist ein wichtiger Eiweißträger und stammt zum weitaus überwiegenden Teil aus traditionellen Erzeugungsgebieten, in denen der Anbau seit Jahrzehnten erfolgt: die USA, Argentinien und Brasilien.”

“Von den im Jahre 2010 erhobenen 51.000 Hofnachfolgern verfügten fast alle über mindestens eine landwirtschaftliche Fachausbildung. Somit ist eine hohe Kompetenz, Tierwohl zu beurteilen, gewährleistet.”

“Independence is forever, oil is not” – Schottlands Zukunft hängt am Öl

8. März 2013, von , Comments (0)

Für große Aufregung sorgt im schottischen Wahlkampf um das für 2014 geplante Unabhängigkeitsreferendum eine geleaktes Paper aus dem Finanzministerium, das den Gegner der Unabhängigkeit in die Hände gespielt wurde. In dem Memo bezieht sich Finanzminister John Swinney auf die volatilen Öl- und Gaspreise und damit verbundenen Unsicherheiten, was die Einkünfte eines zukünftig unabhängigen Schottlands angeht – sowie damit verbundenen eventuell notwendigen Kürzungen im Haushalt (z.B. für Sozialausgaben).

Für die Befürworter eines Verbleibs im United Kingdom ist das natürlich gefundenes Fressen, wenn sogar ihr eigener Finanzminister davon ausgeht, dass das Land ggf. gleich zu Beginn der Unabhängigkeit pleite oder verschuldet wäre.

Allerdings steckt dahinter eine viel größere Frage, was die zukünftigen Einnahmen öl-, kohle- und gasreicher Länder angeht. Viele Akteure kalkulieren aufgrund der Begrenztheit leicht zugänglicher Reserven bei anhaltender oder zunehmender Nachfrage mit steigenden Preisen und somit stabilen oder steigenden Einnahmen. Andere – darunter auch führende Wissenschaftler/innen im IPCC – gehen allerdings davon aus, dass wir spätestens ab 2020 mit verstärkter Klimagesetzgebung in vielen wichtigen Abnehmerländern konfrontiert sein werden und damit mit einer Beschränkung der Menge an CO2, das wir aus dem Boden holen und verbrennen dürfen (der Rest ist “unburnable carbon“). Das wiederum führt zu weniger Einnahmen aus dem fossilen Geschäft für die Produzentenländer.

Was das an politischen Implikationen mit sich bringen kann, lässt sich im Kleinen am Beispiel Schottland sehen…

Obamas gemischtes Doppel

6. März 2013, von , Kommentare (3)

Barack Obama, Gina McCarthy, Ernest Moniz

Präsident Barack Obama besetzt die zwei wichtigsten Kabinettsposten in Sachen Umwelt- und Klimaschutz neu. Ein Atomfreund und ein Green Quarterback sollen das leisten, zu dem der Kongress nicht im Stande ist: Die Energiewende in den USA vorantreiben.   (weiterlesen …)

Weniger Energie = mehr Menschen?

5. März 2013, von , Kommentare (4)

Da habe ich beim Lesen aufgehorcht: In einer neuen Studie haben Forscher/innen vom Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock die bekannten Modelle für Bevölkerungswachstum mit Informationen über verfügbare Energie pro Kopf gefüttert. Das Ergebnis: Wenn Menschen genügend Energie haben, gibt es wirtschaftliche Entwicklung und nehmen in der Folge die Geburtenraten ab. Aber, die Realität sieht so aus: “Seit 1960 ist die Bevölkerung stärker angewachsen als die weltweit nutzbare Energiemenge” (so der Forschungsleiter, Oskar Burger). Dieser Trend halte an. Deshalb widersprechen die Ergebnisse der Studie den gängigen Vorhersagen der UNO, dass die Weltbevölkerung sich bis Ende des Jahrhunderts bei ca. 10 Miiliarden einpendeln werde. Das sei keineswegs gewiss. Das Wachstum könne sogar noch massiv anhalten, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Und was sagt uns das jetzt? (weiterlesen …)

Wie reitet man einen toten Goldesel? Über Reform und Abgesang des ETS

19. Februar 2013, von , Kommentare (6)

Spannende Zeiten für die europäische Klimapolitik, oder? Heute hat der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments einem Vorschlag der Kommission zur Reform des Europäischen Emissionshandels zugestimmt, dem sogenannten “Backloading”. Das ist die Idee, die Auktion von 900 Millionen Zertifikaten für die Jahre 2013-2015 zunächst zurückzuhalten, um sie erst 2019-2020 einzuspeisen und den aktuellen Preisverfall abzumildern. Viele NGOs haben sich in den vergangen Wochen stark für diesen Vorschlag engagiert, Druck auf die Abgeordneten ausgeübt und begrüßen das Ergebnis explizit (z.B. WWF und Germanwatch). Die Plenumsabstimmung im EP steht noch für April aus.

Doch ist das der eigentliche Kampfplatz? Worum geht es wirklich in Brüssel? Eine Koalition von knapp 100 zivilgesellschaftlichen  Organisationen aus aller Welt hat eine Kampagne zur Abschaffung des Europäischen Emissionshandels gestartet - nicht zur Reform! – und stößt damit auf Widerstand bei den etablierten Umweltverbänden in Deutschland und Brüssel. Die “Scrap the ETS”-Kampagne hat aber auch ein Dokument veröffentlicht, in dem sie auf die Argumente ihrer Kritikerinnen und Kritiker explizit eingeht.

Interessant ist, dass es in der Substanz der Kritik eigentlich große Übereinstimmungen zwischen den Lagern (den ETS-Reformer/innen und den ETS-Gegner/innen) gibt. Unterschieden bestehen vor allem in der Frage, wie mit dem Status quo umzugehen sei und welche Rolle dabei der Zivilgesellschaft zukommt. Angesichts des desaströsen Zustands des ETS und der Dringlichkeit tatsächlicher Emissionsreduktionen, müssen wir uns meiner Meinung nach solche grundsätzlichen Debatten erlauben. Sie lenken nicht von ohnehin notwendigen und sinnvollen Reformen ab und stürzen die EU auch nicht in ein klimapolitisches Vakuum, sondern adressieren die tatsächlichen Blockierer progressiver Klimapolitik.

Denn schaut man sich an, wer für eine Reform des ETS lobbyiert, dann tauchen z.B. Shell, Statoil und Eon auf. (weiterlesen …)

Nach der Rede: Klimaschützer optimistisch trotz Obamas Unterstützung der Frackingindustrie

14. Februar 2013, von , Kommentare (4)

SOTUCloudEs war eine von Klimaschϋtzern lang ersehnte Rede. Die Weichen hatte Präsident Obama bereits bei seiner Antrittsrede im Januar gestellt, in der er den Klimaschutz als Priorität seiner zweiten Amtszeit skizzierte. „You’re going to like what you hear“ hatten Obamas Energieberater in den Tagen vor der großen Rede aus dem Weißen Haus verlauten lassen. Die Umwelt-Community hatte sogar mit der Ankündigung von konkreten CO2- Regulierungsmaßnahmen des gesamten amerikanischen Kraftwerkparks gerechnet. Obwohl die erste Rede zur Lage der Nation in der zweiten Amtszeit eines US-Präsidenten immer die ambitionierteste ist, kam es soweit dann doch nicht. (weiterlesen …)

Die Lage der Nation: Macht Obama den Klimaschutz zum Top-Thema?

12. Februar 2013, von , Kommentare (5)

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Wenn Barack Obama heute Abend im Kongress zur Lage der Nation redet, versprechen sich viele deutliche Worte zur Klimapolitik. Die Erwartungen hat Obama zuletzt selbst geweckt, als er in der Antrittsrede seiner zweiten Amtszeit dem Klimawandel einen großen Stellenwert einräumte (“Wir werden auf die Bedrohungen durch den Klimawandel reagieren”). (weiterlesen …)

So müssen wir 14 mal die Welt retten

27. Januar 2013, von , Kommentare (17)

Als “Point of no return” wird ein Punkt ohne Wiederkehr bezeichnet. Bezeichnend also dieser Titel für die neueste Greenpeace-Studie. Darin identifiziert die Umweltorganisation 14 Mega-Projekte (Karte s.u.), deren Durchführung definitiv zu einem katastrophalen Klimawandel von bis zu 6 Grad Erwärmung führen würden. 14 Aufgaben für uns Klimabewegte!

Diese 14 Projekte würden bis zum Jahr 2050 zu 300 Mrd. Tonnen CO2-Äquivalenten führen. Allein 20% der CO2-Emissionen im Jahr 2020 würden von diesen Projekten kommen. Es handelt sich dabei um die Förderung von rund 50 Mrd. Tonnen Kohle, 30.000 Mrd. Kubikmeter Erdgas und 260 Mrd. Barrel Öl.

Derzeit befindet sich die Erde laut Weltbank-Schätzungen auf dem Weg hin zu 3,6 bis 4 Grad Erwärmung. Sollten diese 14 Projekte realisiert werden, wäre dein Pfad auf bis zu 6 Grad wahrscheinlich. Zugleich würde die statistische Chance, unter 2 Grad zu bleiben, auf den Promillebereich sinken. Derzeit geht die Wissenschaft davon aus, dass die globalen Emissionen bis zum Jahr 2015 ihren Höhepunkt erreicht haben müssen (“peak”) um dann mit jährlich 5% sinken. Ohnehin ist das unrealistisch – mit den 14 Projekten wäre das ausgeschlossen. Der Kampf gegen diese Kimakiller ist daher ein Kampf um das Überleben des Planeten wie wir ihn kennen.

»A handful of governments and a small number of companies in the fossil fuel industry are pushing these projects, apparemtly without a care about the climate consequences.« (Original Greenpeace-Report)

 

Hier eine Übersicht über die von Greenpeace identifizierten Projekte und wie wir sie vielleicht stoppen können müssen.

(weiterlesen …)

Soja, Kupfer und Lithium… Was will die EU von Lateinamerika?

27. Januar 2013, von , Comments (0)

Cumbre de los PueblosWarum ist es wichtig, in diesen Tagen den Blick auf eine verschlafene Stadt hinter den Anden zu werfen? Vielleicht, um ein paar Sonnenstrahlen auf die nördliche Erdhalbkugel zu lenken? Schön wär’s. Doch mitten im Hochsommer tagen dieses Wochenende in Santiago de Chile die Staats- und Regierungschefs der EU mit denen aus Lateinamerika und der Karibik (CELAC).

Wie auch bei der Rio+20-Konferenz hat sich die Zivilgesellschaft in einem Gegengipfel zusammengefunden, dem Cumbre de los Pueblos, der mit der gleichen partizipativen Methodologie wie in Rio Alternativen und Strategien formulieren will. Und auch die Business Community trifft sich zum exklusiven Gipfel.

Der offizielle Gipfel befasst sich vor allem mit Handels- und Investitionsfragen. Und das hat hohe Relevanz für das Weltklima sowie für Ernährung und Ressourcengerechtigkeit auf dem Kontinent. Das lässt sich ganz gut mit zwei Beispielen illustrieren:

Die EU importiert für ihre massenhafte Fleischproduktion jährlich 35 Millionen Tonnen Soja im Jahr als Tierfutter, vor allem aus Argentinien und Brasilien. (weiterlesen …)

Degrowth und Transition

17. Januar 2013, von , Comments (0)

Absolut sehenswert sind diese kurzen Video-Clips, die Akteure und Initiativen einer wachsenden europäischen Degrowth-Bewegung vorstellen, so z.B. das französische Netzwerk “Research & Degrowth” und den Tauschmarkt in Barcelona.

Außerdem sei an dieser Stelle schon einmal verraten, dass Rob Hopkins, der Gründer der Transition Town Bewegung, am 28. Februar zum ersten Mal in Deutschland (Berlin) sprechen wird und anlässlich seines Besuchs auch der Film “Voices of Transition” gezeigt wird.

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Lili FuhrLili Fuhr
Lili Fuhr arbeitet zu Klima- und Ressourcenfragen. Sie hat zwei Töchter und lebt in Berlin.
Arne JungjohannArne Jungjohann
Arne Jungjohann beschäftigt sich mit Klima- und Energiepolitik. Zur Zeit lebt der gebürtige Hannoveraner in Washington.
Georg KoesslerGeorg Koessler
Georg Kössler schreibt über Klima- und Energiepolitik. Er lebt in in Berlin-Neukölln und hat kein Auto.

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